Mann und Frau stoßen auf einer Restaurant-Terrasse mit zwei Gläsern hellem Solaris-Weißwein an

Solaris: Die frühreife PiWi-Rebsorte mit tropischem Aroma

Solaris ist eine weiße PiWi-Rebsorte und zählt zu den wichtigsten Neuzüchtungen für kühle Anbaulagen. Sie reift außergewöhnlich früh, ist widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten und Frost und liefert Weine mit einem für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich exotischen Aroma: Reife Ananas, Mango und Maracuja sind typische Duftnoten.

Was ist Solaris überhaupt?

Solaris ist eine weiße PiWi-Rebsorte. Das Kürzel steht für „pilzwiderstandsfähig“ und bezeichnet moderne Neuzüchtungen, die von Natur aus gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau gewappnet sind. Das Ergebnis: Der Winzer muss deutlich seltener spritzen, was Umwelt, Geldbeutel und CO₂-Bilanz gleichermaßen schont. Wie diese ganze Sortenfamilie funktioniert und warum sie als Zukunft des Weinbaus gilt, liest du ausführlich in unserem großen Überblick zu den PiWi-Rebsorten.

Innerhalb dieser Familie ist Solaris so etwas wie der Star für kühle Lagen. Sie kombiniert drei Eigenschaften, die selten zusammenkommen: eine sehr frühe Reife, eine robuste Widerstandskraft gegen Krankheiten und Frost sowie ein intensives, exotisches Aroma. Damit ist sie längst über ihre badische Heimat hinausgewachsen und erobert sogar Weinberge, an denen früher niemand an Wein gedacht hätte.

Von Freiburg in die Welt: Die Herkunft der Sorte

Die Geschichte von Solaris beginnt 1975 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Dort kreuzte der Rebenzüchter Norbert Becker die Sorte Merzling mit dem Zuchtstamm Gm 6493, der wiederum die frostharte russische Rebe Saperawi Sewernyi und den aromatischen Muskat Ottonel in sich trägt. Amtlich trug der Neuzugang zunächst die nüchterne Nummer FR 240-75, seit 2001 genießt Solaris offiziellen Sortenschutz.

Der Name ist Programm: „Solaris“ spielt auf die Sonne an, und tatsächlich sammelt die Rebe Zucker, als wolle sie ein Sonnenbad im Glas einfangen. Übrigens hat sie selbst schon Nachwuchs bekommen. Die ebenfalls beliebte Aromasorte Muscaris ist eine direkte Solaris-Tochter, womit die Sonnenrebe selbst zur Muttersorte neuer Züchtungen wurde. Aus einer Nummer im Zuchtgarten ist also eine kleine Dynastie geworden.

Warum reift Solaris so früh?

Die frühe Reife ist Solaris‘ größtes Pfund. Während viele Sorten erst im Oktober so weit sind, hängen die goldgelben Solaris-Beeren oft schon Mitte August lesereif am Stock. Anfang September erreicht der Most im Schnitt der Jahre stolze 100 Grad Oechsle und mehr, ein Mostgewicht, von dem so mancher Riesling in kühlen Jahrgängen nur träumt.

Reifekalender: Solaris reift ab Mitte August und damit deutlich früher als Müller-Thurgau und Riesling
Solaris zählt zu den frühesten Rebsorten überhaupt und ist oft schon reif, wenn andere Sorten noch Wochen brauchen.

Der Grund dafür liegt in den Genen: Solaris nutzt die kurzen, aber intensiven Sommertage nördlicher Lagen besonders effizient. Für den Winzer bedeutet das ein doppeltes Sicherheitsnetz. Die Trauben sind längst im Keller, bevor die feuchten Herbststürme Fäulnis bringen, und selbst in mauen Sommern wird die Rebe reif. Diese Verlässlichkeit ist der Hauptgrund, warum Solaris den Weinbau in Regionen möglich macht, die früher als hoffnungslos galten.

Wonach schmeckt Solaris wirklich?

Jetzt zur Gretchenfrage, und zur Auflösung des kleinen Etikettenschwindels aus der Einleitung. Solaris ist keine tropische Rebsorte, im Gegenteil, sie ist ein echtes Nordlicht. Tropisch ist allein ihr Aroma. Im Glas entfaltet sich ein üppiger Duft nach reifer Ananas, Mango und Maracuja, dazu kommen Anklänge von Litschi, Holunderblüte und Zitrus. Bei sehr reifer Lese gesellen sich Noten von Banane und Honig hinzu.

Diese Aromenwucht erinnert nicht zufällig an die Scheurebe, mit der Solaris gern verglichen wird. Ein feiner Muskatton, das Erbe des Muskat Ottonel, macht die Weine zusätzlich duftig. Wichtig zu wissen: Die Säure fällt bei Solaris durch die frühe Zuckerreife rasch ab. Wer frische, spritzige Weine mag, sollte deshalb zu früh gelesenen, trocken ausgebauten Exemplaren greifen.

Merksatz für die Weinprobe: Solaris ist die Rebe, die im Weinberg an Schnee grenzt und im Glas an Sonnenstrand erinnert. Der Klimakontrast steckt in jeder Flasche.

Von knochentrocken bis edelsüß: Die Ausbaustile

Weil Solaris so viel Zucker anhäuft, ist die Rebe ein Verwandlungskünstler. Kein anderer Ausbau zeigt so deutlich, was der Winzer aus dem Most macht. Vom trockenen Terrassenwein bis zur edelsüßen Rarität ist alles möglich, wie diese Beispielwerte aus der Praxis zeigen.

Ausbaustile von Solaris nach Restzucker: von trocken mit 7 g/l bis edelsüß mit über 80 g/l
Dieselbe Rebsorte, vier Welten: Solaris deckt die gesamte Spanne von trocken bis edelsüß ab.

Trocken ausgebaut wird Solaris zum saftigen Sommerwein mit exotischer Frucht, ideal für laue Terrassenabende. In der lieblichen Variante spielt die Süße ihre Trümpfe gegen scharfe Speisen aus. Und in Spitzenjahren gelingen dank der hohen Mostgewichte sogar Beeren- und Trockenbeerenauslesen oder Eisweine. Wenn dabei die Edelfäule Botrytis mitspielt, entstehen konzentrierte Dessertweine mit Honignoten.

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Solaris und der hohe Norden

Kaum eine Rebsorte hat die Landkarte des Weinbaus so verschoben wie Solaris. In Deutschland wächst sie auf gut 200 Hektar (Stand 2022, Deutsches Weininstitut), mit einem Schwerpunkt in Baden. Doch ihre eigentliche Sensation liegt weiter nördlich. Solaris steht heute in Dänemark, Schweden und Norwegen, in Belgien, Polen und sogar im britischen Wales. Sie gilt als eine der Reben, die den Weinbau am nördlichen Rand des Möglichen überhaupt erst realistisch machen.

Goldgelbe, reife Solaris-Trauben hängen im Sonnenlicht am Rebstock
Die goldgelben, dünnschaligen Beeren erreichen früh hohe Mostgewichte und leuchten in der Spätsommersonne.

Diese Nordwanderung ist kein Zufall. Solaris ist außergewöhnlich frostfest und genügsam, sie verwandelt selbst karge Standorte in trinkbare Qualität. Für Weinpioniere in kühlen Klimazonen ist sie damit oft die einzige Sorte, die überhaupt zuverlässig reif wird. Solaris ist so gesehen ein Kind des Klimawandels und zugleich eine Antwort darauf.

Wenig Spritzen, viel Zukunft: Der PiWi-Vorteil

Der eigentliche Clou steckt in der Widerstandskraft. Solaris trotzt echtem und falschem Mehltau ebenso wie der Fäulnis, sodass im ökologischen Anbau nur ein Bruchteil der sonst üblichen Spritzungen nötig ist. Genau darin sehen immer mehr Winzer die Zukunft, und mit dem Verband PIWI International hat die Bewegung längst eine eigene Stimme. Beim rheinhessischen Betrieb THEOS Wein und Gut etwa besteht die Weinliste inzwischen zu mehr als der Hälfte aus PiWis.

„Ein Großteil der Weine, die ich jeden Tag trinke: Warum sollen die nicht aus Piwi-Trauben sein, die deutliche Vorteile im Anbau haben und genauso gut schmecken können?“, bringt es Winzer Achim Dettweiler auf den Punkt. Dass diese Sorten kein kurzlebiger Trend sind, zeigt ein Blick zu Becker das Weingut: Dort setzt man schon seit über 30 Jahren auf pilzwiderstandsfähige Reben und gehört damit zu den Pionieren in Rheinhessen. Solaris ist einer der prominentesten Namen in genau dieser Bewegung.

Wie trinkt man Solaris am besten?

Solaris ist ein dankbarer Essensbegleiter, weil seine exotische Frucht viele Aromen aufgreift, an denen sich klassische Weine die Zähne ausbeißen. Der trockene Ausbau harmoniert wunderbar mit leichten Fischgerichten, Meeresfrüchten und Sushi, ganz ähnlich wie beim Klassiker Weißwein zu Fisch. Seine Fruchtsüße macht ihn außerdem zum idealen Partner für die asiatische Küche, wo er die Schärfe von Curry oder Thai-Gerichten elegant abfedert.

Bei der Serviertemperatur gilt: Trockene Solaris-Weine schmecken gut gekühlt bei 9 bis 11 Grad am frischesten, während gehaltvolle oder edelsüße Varianten bei 12 bis 14 Grad mehr von ihrer Aromatik zeigen. Die edelsüße Version schließlich ist ein Fest zum Dessert und spielt zu Crème brûlée oder Mousse au Chocolat ihre ganze Klasse aus.

Steckbrief Solaris 
TypWeiße PiWi-Rebsorte (pilzwiderstandsfähig)
KreuzungMerzling × Gm 6493
Züchtung1975, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg (Norbert Becker)
Sortenschutzseit 2001
Fläche Deutschlandgut 200 ha (2022), Schwerpunkt Baden
Reifesehr früh, ab Mitte August
AromenAnanas, Mango, Maracuja, Litschi, Muskat
Stiletrocken bis edelsüß, Eiswein

Fazit: Die Sonnenrebe für kühle Zeiten

Solaris ist mehr als nur eine weitere Neuzüchtung. Sie ist ein kleines Wunder der Rebenzüchtung, das gleich mehrere Probleme des modernen Weinbaus auf einmal löst: Sie braucht kaum Pflanzenschutz, reift auch in kühlen Regionen zuverlässig und liefert dabei ein Aroma, das Lust auf Sommer macht. Wer eine unkomplizierte, aromatische Alternative zu den üblichen Verdächtigen sucht, wird hier fündig.

Natürlich muss man ihre üppige, säurearme Art mögen. Wer ausschließlich auf knochentrockene, mineralische Weine schwört, wird vielleicht fremdeln. Doch als Botschafterin eines nachhaltigeren, klimafesteren Weinbaus hat Solaris längst bewiesen, was in ihr steckt.

Probier bei nächster Gelegenheit einen Solaris und lass dich überraschen: Selten liegen Nordseeklima und Karibikaroma so nah beieinander wie in diesem Glas.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Solaris

Beides ist möglich. Weil Solaris sehr hohe Mostgewichte erreicht, gibt es sie von knochentrocken bis edelsüß. Trockene Varianten schmecken fruchtig-exotisch mit milder Säure, während liebliche und edelsüße Weine üppige Ananas- und Honignoten zeigen. Ein Blick aufs Etikett verrät dir den jeweiligen Stil.

Typisch sind intensive Aromen tropischer Früchte wie Ananas, Mango und Maracuja, ergänzt um Litschi, Holunderblüte und einen feinen Muskatton. Die Säure ist meist mild, der Körper kräftig. Dadurch wirkt der Wein oft weich und aromatisch.

PiWi steht für „pilzwiderstandsfähig“. Solaris ist von Natur aus gegen Pilzkrankheiten wie echten und falschen Mehltau geschützt. Das reduziert den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln erheblich und macht die Sorte besonders für den ökologischen Weinbau attraktiv.

Solaris reift extrem früh und ist sehr frostfest. Dadurch wird sie selbst in kühlen Regionen zuverlässig reif, in denen klassische Reben scheitern. Deshalb wächst sie heute bis nach Skandinavien, Wales und Polen und macht Weinbau am nördlichen Rand des Möglichen erst realistisch.

Trocken ausgebaut passt Solaris hervorragend zu leichten Fischgerichten, Meeresfrüchten und Sushi. Seine Fruchtsüße macht ihn zum idealen Begleiter für die asiatische Küche und scharfe Speisen. Edelsüße Varianten sind ein Genuss zu Desserts wie Crème brûlée oder Mousse au Chocolat.

Trockene Solaris-Weine schmecken gut gekühlt bei 9 bis 11 Grad am frischesten. Gehaltvolle oder edelsüße Varianten serviert man etwas wärmer bei 12 bis 14 Grad, damit sich ihre volle Aromatik entfalten kann.

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