Weingut

Klosterhof


Historische Rebsorten, Kräutergarten und Weinevents in Worms:
Tradition seit 1492 – jenseits des Mainstreams

Christoph Lösch führt das Weingut Klosterhof in Worms-Abenheim mit einer Familientradition, die bis ins Jahr 1806 zurückreicht. Der Winzermeister und überzeugte Quereinsteiger setzt auf das, was andere nicht haben: historische Rebsorten, ausgefallene Weine und unvergessliche Events rund um Kräuter und Wein. Sein Motto? Jenseits des Mainstreams, denn er liebt es bunt.

Weingut Klosterhof

Vom Banker zum Winzer: Tradition seit 1492

Ich wollte als Kind nie Winzer werden. Meine Familie hat eine Weinbautradition seit 1492 und ich fand das als Kind eigentlich immer schrecklich. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und vier Jahre in einem Betrieb außerhalb der Landwirtschaft gearbeitet, in einer Bank.

Und dann habe ich mich doch für den Weinbau entschieden. Meine Eltern waren „not amused“.

Ja, aber meine Eltern hielten mich für den Ungeeignetsten, weil ich nicht so praktisch veranlagt war, nie Interesse gezeigt hatte und keinen Traktor fahren konnte. Dann bin ich einfach hingegangen und habe eine Quereinsteiger-Ausbildung gemacht. Heute bin ich Winzermeister. Und dann hat der Betrieb Fahrt aufgenommen.

Ja, weil das etwas ganz Tolles ist. Wenn ich 100 Kilometer von meinem Heimatort weg bin, findet es jeder ganz spannend, dass ich ein Weingut habe und Winzer bin. Wenn Sie in Hannover, Bremen, Berlin oder Düsseldorf unterwegs sind und sagen „Ich bin Winzer und habe ein Weingut“, dann erstarren die Leute wie eine Salzsäule. Die haben immer so ein romantisches Bild, als würde man am Kamin sitzen und ein Glas Wein trinken.

Und wenn ich dann sage, meine Familie lässt sich bis 1492 zurückverfolgen, der Weinkeller ist 1736 gebaut, die meisten sind total hin und weg. Für mich ist das alles ganz normal. Ich bin mit Urgroßeltern, Großeltern, Eltern aufgewachsen, eine Großfamilie. Die Geschichte war immer da.

Historische Aufnahme - Weingut Klosterhof

Jenseits des Mainstreams: Die Philosophie des Klosterhofs

Jenseits des Mainstreams, denn wir lieben es bunt. Mein Fokus liegt nicht auf Riesling, Grauburgunder und Sauvignon Blanc, sondern ich mag es gerne exotisch und ausgefallen. Ich widme mich zum Beispiel den historischen Rebsorten oder auch ausgefallenen Sorten wie Pinot Madeleine, Blauer Silvaner, Cabernet Dorsa oder Huxelrebe.

Ich mag es bunt, fruchtig und ausgefallen. Grauburgunder, Riesling und Müller-Thurgau kriegen Sie an jeder Ecke. Ich sage immer: Trauen Sie sich was! Bestellen Sie nicht immer Riesling, nicht immer Grauburgunder. Probieren Sie sich durch die Weinwelt. Es gibt so tolle Rebsorten, die kaum Beachtung finden.

Ich habe zum Beispiel die Huxelrebe wieder angebaut, die eigentlich total verpönt ist und daraus einen Sekt gemacht. Jeder ist begeistert von diesem tollen, fruchtigen Sekt.

19 Hektar. Für Worms ist das ein kleines Weingut, hier haben die meisten deutlich mehr.

Weinberg - Weingut Klosterhof - Abenheim
Weinberg – Weingut Klosterhof – Abenheim

Weinempfehlungen: Von Sekt bis zum historischen Rotwein

Ich empfehle eigentlich gar keine Weine. Ich empfehle immer: Kommen Sie vorbei! Wir sind Sieger der Great Wine Capitals und unser Weingut Klosterhof ist bekannt für Weinevents der sympathischen Art. Buchen Sie einen Abend, einen Nachmittag mit einem Weinerlebnis und lernen Sie den Klosterhof und seine Weine kennen.

Gut. Sehr gerne mag ich meinen Schwarzriesling-Sekt Blanc de Noir. Ein Winzersekt, klassische Flaschengärung, vom Schwarzriesling.

Dann würde ich unseren Grauburgunder Abt empfehlen. Und natürlich einen historischen Rotwein: den Franc Pineau.

Ja, aber die Vermarktung lehrt mich: Wenn nichts Klassisches dabei ist, wird nicht bestellt. Die Leute brauchen auch etwas, das sie kennen. Wenn eine Flasche dabei ist, die sie kennen (Grauburgunder ist immer lecker) dann wird eher bestellt, als wenn man nur ausgefallene Sachen hat.

Es ist relativ schwer, nur mit ausgefallenen Sachen am Markt zu bestehen. Ich bin auf Weinmessen in ganz Deutschland und wenn ich nur exotische Weine habe, bestellt keiner. Ich brauche einen Riesling, einen Sauvignon Blanc, einen Grauburgunder. Und mein Grauburgunder Abt ist einer der beliebtesten Weißweine, damit bin ich erfolgreich am Markt.

Den Blauen Muskateller, eine Rebsorte, die vor 3.000 Jahren mit den Indogermanen ins Rheintal kam. Der duftet nach Kurkuma, Rosmarin und Rosen. Der riecht und schmeckt wie eine indische Hochzeit.

1. Schwarzriesling-Sekt Blanc de Noir

Eleganter Winzersekt in klassischer Flaschengärung, gekeltert aus Schwarzriesling als Blanc de Noir. Fruchtig, festlich und ein perfekter Einstieg in die Welt des Klosterhofs.

2. Grauburgunder Abt

Der beliebteste Weißwein des Weinguts – ein Grauburgunder, der zeigt, dass ein Klassiker in den richtigen Händen alles andere als langweilig ist. Preisgekrönt und eine sichere Empfehlung.

3. FRANC Pienau

Ein historischer Rotwein aus einer wiederentdeckten Rebsorte – der FRANC Pienau verbindet Jahrhunderte Weinbautradition mit dem besonderen Charakter des Klosterhofs.

Der Blaue Muskateller: Eine Rebsorte wie eine indische Hochzeit

Ja, komplett. Der Blaue Muskateller ist ein Roséwein: Es gibt davon keinen Rotwein und keinen Weißwein, nur Rosé. Die Trauben sehen aus wie überdimensionale Johannisbeeren. Diese Rebsorte kam vor 3.000 Jahren mit den Indogermanen nach Deutschland ins Rheintal. Dann hat sie die nationalsozialistische Sortenprüfung nicht bestanden und wurde aussortiert. Jetzt ist sie wiederentdeckt worden.

Für mich ist das ein Wein, den kann man aus 100 Weinen herausschmecken. Weil er eine so besondere Frucht und einen so besonderen Geschmack hat: Kurkuma, Rosen, Rosmarin. Er riecht und schmeckt wunderbar exotisch. Darum finde ich, dass das einer meiner besonderen Weine ist.

Die historischen Rebsorten bekommen keine Reinzuchthefe zugesetzt. Bei historischen Weinen kommt es nicht darauf an, ob der trocken, halbtrocken oder lieblich ist. Kellerwirtschaftlich wird relativ wenig gemacht, um den besonderen Geschmack zu erhalten.

Ich bekomme keine Blaue-Muskateller-Hefe. Von dem Blauen Muskateller gibt es ungefähr sechs Hektar in ganz Deutschland. Durch das Fehlen der Reinzuchthefe haben die Weine immer etwas Schwierigkeiten, die Gärung ganz zu schaffen. Ich lasse das bewusst so – mir ist es egal, ob der lieblich, halbtrocken oder trocken wird. Hauptsache, der besondere Geschmack bleibt erhalten.

Ja. Aber genau das wollen wir bei diesen besonderen Rebsorten. Die sind nicht standardisiert wie Riesling, Grauburgunder, Silvaner und Dornfelder. Die sollen nicht jedes Jahr gleich schmecken. Das ist etwas Besonderes und es ist auch etwas Besonderes, dass sie jedes Jahr anders schmecken dürfen.

Weingut Klosterhof - Historische Rebsorten
Historische Rebsorten im Schauweingarten am Heiligen Sand

Der Schauweingarten am Heiligen Sand

Den Weißen Traminer, den Bormeo Verd und den schon erwähnten Franc Pineau. Auf unserer Website tragen sie das Emblem „Historische Rebsorten – Selten, wertvoll, wiederentdeckt“.

Ich betreibe außerdem einen Schauweingarten an der ältesten Stadtmauer Europas, direkt im Stadtzentrum von Worms am Heiligen Sand. Dort habe ich fünf Reihen historische Reben, alle beschildert.

Ich habe erst seit drei Jahren einen Piwi-Weinberg und konnte noch nicht so viel Erfahrung sammeln. Die historischen habe ich schon zehn Jahre. Ich merke nicht, dass die besonders anfällig sind.

Im Schauweingarten am Heiligen Sand kann ich nicht so viel Pflanzenschutz ausbringen. Die Reben werden nur zwei-, dreimal im Jahr gespritzt und sie halten sehr viel aus. Allerdings ist der Standort in der Innenstadt, weit entfernt von anderen Weinbergen – im Umkreis von fünf Kilometern gibt es keinen Weingarten. Da fliegen keine Krankheitssporen von außen ein. Und es ist dort immer trocken und warm durch die Mauer und die stark befahrene Straße. Ob die historischen Sorten per se besonders widerstandsfähig sind, kann ich deshalb nicht pauschal sagen.

Der Kräutergarten: Vom Kegelbahngelände zum Weinerlebnis

Die Luft unter den Spitzenweingütern ist dünn. Ich wollte mich irgendwie bekannt machen. Und mich kennt hier im Umkreis zwischen Frankfurt und Heidelberg jeder und das kam nur durch diesen Kräutergarten.

Am DLR Oppenheim wurde die Ausblidung zum Kräuterführer Angeboten. Diese habe ich nebenberuflich absolviert, auf eigne Kosten.

Wenn man Mitglied in der IG Kräuterhöfe Rheinhessen sein möchte, muss man ein 40 qm großes Schaubeet für Gäste/Weinkunden bereithalten. Ich habe kurzerhand ein 400 qm großes Grundstück in ein Kräuterparadies verwandelt.

Ich war damals ein junger Mann, alleinerziehender Vater. Und habe diesen Kräutergarten aus einer alten Kegelbahn gestampft.

Ja! Mein Urgroßvater hat dort bis 1956 gekegelt, auf zwei Bahnen aus Holz im Freien. Zur Straße hin ist eine kleine Scheune, darin haben sie immer gesessen, das ist heute unser Gastraum. Man geht durch ein kleines Scheunentor und zum Garten hin ist es geöffnet. Unter dem Dach haben sie damals gesessen, getrunken, gegessen und gekegelt.

Ich nehme die Gäste mit raus, wir laufen durch die Weinberge und ich erkläre die wilden Pflanzen, die zwischen den Weinreben wachsen. Dann kommt man nach Hause und es gibt ein Fünfgangmenü mit wilden Kräutern zubereitet, dazu eine Fünfer-Weinprobe.

Diese Events vermarkte ich über Jochen Schweizer, MyDays und andere Plattformen. Vor Corona kamen etwa 120 Gäste pro Woche aus ganz Deutschland – aus Kiel, Hannover, München, Stuttgart. Die bekommen das als Geschenk und fahren extra hierher. Die kommen nicht wegen des Weins, sondern wegen des Erlebnisses. Und so habe ich mir meine Weinkundschaft aufgebaut.

Liebfrauenmilch und der Marktwinzer von Worms

Die Liebfrauenmilch gab es sogar auf der Titanic, das war ein richtiger Exportschlager.  Ich war 2017 in einer Winzergruppe aktiv, die diesen Wein in Deutschland wieder salonfähig machen wollte, was uns auch gelang.

Bei mir ist das Besondere, dass ich Weinberge in der Stadt Worms besitze. Die sind zwar nicht aus der berühmten Lage Liebfrauenstift-Kirchenstück, aber aus dem ursprünglichen Einzugsgebiet, so weit der Kirchturm Schatten wirft.

Alle unter 60 sind ganz aufgeschlossen für die Liebfrauenmilch. Modernes, schickes Etikett, darauf die Skulptur „Dein Körper wird Landschaft Wonnegau“ – wir sagen nur „die dicke Frau“ zu ihr. Eine Cuvée aus Riesling, Kerner und Silvaner: unkompliziert, leicht trinkbar. Ein Wein, der Nicht-Weintrinkern die Tür zum Weingenuss öffnet.

Ja, einmal im Monat bin ich auf dem Wochenmarkt in Worms und betreibe dort eine Straußwirtschaft. Samstagsmorgens ab 8 Uhr, 30 Garnituren. Die Leute können bei mir ein Glas Wein kaufen und an den umliegenden Ständen Brot, Käse und Wurst holen. Zwischen Dom und Dreifaltigkeitskirche kommen die Stadtführungen und Touristen vorbei. Viele Wormser verabreden sich samstagsmorgens auf dem Markt zum Weintrinken, manche feiern sogar ihren Geburtstag am Weinstand.

Dadurch habe ich eine große Bekanntheit. Die Leute kaufen meinen Wein dann auch beim Edeka in der Region, dort gibt es auch den Blauen Muskateller und die Liebfrauenmilch.

Deutscher Wein: Zu gut für sein Image

Ja, ganz schlimm. Es kommen nicht mehr genug Menschen zu den Events. Die 120 Gäste pro Woche, das war vor Corona. Heute habe ich manchmal nur vier oder acht Gäste an einem Abend. Da brauche ich die Köchin gar nicht kommen zu lassen, weil es sich nicht rechnet.

Wein wird seit 6.000 Jahren getrunken und spielt in den monotheistischen Religionen eine immense Rolle. Das Paradoxe ist: Wenn jeder Deutsche im Jahr nur eine Flasche deutschen Wein mehr trinken würde, hätten wir keine Probleme. Deutschland hat nur 1 % der weltweiten Rebfläche. Selbst wenn alle 13 Anbaugebiete eine tolle Ernte haben, schafft es Deutschland nicht, sich mit Wein selbst zu versorgen.

Es ist ein Imageproblem. Die Leute kaufen italienischen oder französischen Wein wegen des Urlaubsgefühls. Oder anders ausgedrückt: „Weine aus Südeuropa oder Übersee haben ein besseres Image als wein aus Rheinhessen.“

Worms ist die drittgrößte Weinbaugemeinde Deutschlands. In der Innenstadt gibt es über 200 Restaurants und Bars. Und ich weiß nicht, ob zehn davon überhaupt Wormser Wein im Angebot haben. Meine Schwiegereltern wohnen mitten in der Altstadt, können mit verbundenen Augen die Weinstraße hoch- und runterfahren und jedes Weingut aufzählen, aber meine Schwiegermutter ist nicht imstande, ein einziges Weingut aus Worms zu benennen.

Tradition trifft auf Umbruch: Die Zukunft des Klosterhofs

Die Nachfolge ist nicht geklärt. Meine Tochter ist 26 und hat internationale Weinwirtschaft studiert – das würde eigentlich passen. Aber sie arbeitet nicht bei mir und hat keine Lust auf das Endverbraucher-Geschäft. Und so wie die wirtschaftliche Situation gerade ist, kann ich ihr das auch nicht mit gutem Gewissen empfehlen.

Genau. Ich bin 50, ich muss vielleicht noch zehn Jahre machen. Dann werden wir sehen. Ich war kürzlich auf einem Seminar, wo diskutiert wurde, wie man Weinbergsflächen alternativ nutzen kann, mit Haselnüssen, Mandeln, Walnüssen und Pekannüssen.

Unser Wein wird hauptsächlich von Menschen zwischen 55 und 80 getrunken. Die werden weniger, junge kommen nur wenige nach. Wenn einer meiner Kunden in Rente geht, der kauft im Durchschnitt 120 Flaschen im Jahr. In Rente sind es nur noch 80. Nach fünf, sechs Jahren nur noch 30. Um das aufzufüllen, muss ich drei bis vier Menschen unter 30 finden, die mindestens 18 Flaschen pro Jahr bestellen. Und da wird es schwierig.

Weingut Klosterhof - Logo
Schwarzriesling Sekt - Blanc de noir - Weingut Klosterhof

Schwarzriesling-Sekt Blanc de Noir

Klassische Flaschengärung vom Schwarzriesling. Fruchtig, elegant und festlich – ein Sekt, der den Klosterhof perfekt auf den Punkt bringt.

Grauer Burgunder - Abenheimer Klausenberg - Weingut Klosterhof

Grauburgunder Abt

Der beliebteste Weißwein des Klosterhofs. Preisgekrönt und ein Beweis dafür, dass ein Klassiker in den richtigen Händen alles andere als langweilig ist.

Franc Pineau - Weingut Klosterhof

Franc Pineau

Ein besonderer Rotwein, welcher bereits Karl der Große zu schätzen wusste. Galt als ausgestorben seit dem 19 Jhd. Seit 2010 wieder im Anbau.

Weitere Weingüter

Tradition seit 1492 – mutig seit dem ersten Tag

Das Weingut Klosterhof steht für Mut zum Besonderen: historische Rebsorten, die kaum ein anderer anbaut, Weinevents im Kräutergarten einer alten Kegelbahn und ein Winzer, der an der Geburtsstätte des deutschen Rieslings kurzerhand Rotwein pflanzt.

Christoph Lösch zeigt, dass über 500 Jahre Weinbautradition und Querdenken kein Widerspruch sein müssen. Wer den Klosterhof besucht, erlebt einen Winzer, der seine Gäste mit Kräuterführungen durch die Weinberge, einem Fünfgangmenü und Weinen überrascht, die man so nirgendwo anders findet. Vom Blauen Muskateller bis zur neu interpretierten Liebfrauenmilch: Hier wird Weinkultur gelebt, nicht nur vermarktet.

Weingut Klosterhof
Kirschgartenstraße 4-6
67550 Worms-Abenheim

Website: https://klosterhof-loesch.de
Rebfläche: 19 Hektar
Besonderheit: Historische Rebsorten, Kräutergarten-Events und Weinbautradition seit 1492.