Stenner
Weinmosaik, Spontangärung und jede Menge Lebensfreude:
Vierte Generation, neu gedacht in Mainz-Hechtsheim
Malenka Stenner führt das Weingut Stenner gemeinsam mit ihrem Bruder Niklas in vierter Generation. Mit einem komplett neuen Design, naturnahem Weinbau und der Überzeugung, dass Wein vor allem Lebensfreude transportieren soll, hat das Geschwisterpaar den Familienbetrieb in Mainz-Hechtsheim von Grund auf neu erfunden – und das mitten in der Corona-Pandemie.

Die Lebensfreude, die wir mit unserem Wein haben, mit unserem Beruf, das wollen wir einfach auf die Flasche bringen.
Malenka Stenner
Vierte Generation mit eigenem Kopf
Malenka, wie bist du zum Weinbau gekommen?
Bei uns in der Familie Stenner ist es komplette Familientradition. Ich bin die vierte Generation und seit Tag eins im Weingut. Für mich stand es wirklich schon immer fest, dass ich das weitermache. Ich habe mir nie etwas anderes vorgestellt.
Wir hatten früher auch eine Straußwirtschaft und da habe ich von klein auf viel mitgearbeitet. Irgendwann habe ich als Jugendliche schon verkündet: „Ich übernehme dann irgendwann das Weingut.“ Das war auch ganz lustig, weil meine Eltern etwas überrascht waren.
Du hast auch noch einen Bruder?
Ja, meinen jüngeren Bruder Niklas. Für ihn war es entspannter, weil er wusste, dass ich es sowieso übernehme und er dazukommen kann oder nicht. Mittlerweile ist er auch dabei, was super cool ist. Wir verstehen uns super und das klappt wirklich richtig gut bei uns.
Und nach der Schule ging es dann direkt Richtung Weinbau?
Nicht ganz. Ich habe erst ein Praktikum in einem Weingut in Franken gemacht, bin dann kurz reisen gegangen und habe anschließend das Weinbaustudium begonnen. Eigentlich wollte ich danach noch eine Ausbildung dranhängen, aber aus familiären Gründen bin ich dann direkt ins Weingut eingestiegen. Dann habe ich mir noch drei Monate in Neuseeland gegönnt, um dort auf einem Weingut zu arbeiten. Das Wichtigste ist, über den Tellerrand hinauszuschauen, sich mit anderen auszutauschen und einfach nochmal rauszukommen, bevor man gar nicht mehr wegkommt.

Eine 180-Grad-Wende: Naturnaher Weinbau und neues Design
Jedes Weingut hat eine eigene Philosophie. Wie würdest du die Philosophie des Weinguts Stenner beschreiben?
Wir haben vieles umgestellt, wie es oft so ist, wenn die junge Generation reinkommt. Ich habe lange Zeit die Weine so gemacht, wie es die Kunden von meinem Papa gemocht haben. Aber dann war für mich klar: Wenn ich komplett mit meinem Namen dastehe, dann wird sich auf jeden Fall etwas ändern.
Wir haben einen neuen Auftritt mit jüngerem Design, quasi eine komplette 180-Grad-Wende. Wir sprechen jetzt viel mehr jüngere Leute an und auch Menschen, die nicht so weinaffin sind, um ihnen Brücken zum Wein zu bauen.
Wir sind jetzt komplett naturnah unterwegs. Wir machen Spontangärung, verwenden so wenig Zusätze wie möglich. Uns ist wichtig, dass wir trinkfreudige Weine machen, die zugänglich sind. Aber es gibt trotzdem hier und da Weine mit mehr Tiefgang, die spannender sind und wo man mehr entdecken kann. Perfekt für Leute, die sich etwas mehr mit Wein auskennen.
Ansonsten: einfach Spaß am Wein und Spaß am Leben. Die Lebensfreude, die wir mit unserem Beruf haben, das wollen wir einfach auf die Flasche bringen.
Ihr habt den Umbruch mitten in Corona vollzogen. Sind dabei viele Kunden abgesprungen?
Wir hatten alles fertig, ein Jahr lang Arbeit reingesteckt, und dann kam Corona und wir konnten es gar nicht zeigen. Wir waren dezent traurig. Also haben wir gesagt: Komm, dann überlegen wir uns etwas anderes. Wir haben viel online gemacht, Weinproben und so weiter, und dadurch ganz viele neue Kunden angesprochen, die wir sonst wahrscheinlich gar nicht erreicht hätten.
Natürlich sind bestimmt hier und da Kunden weggebrochen. Das ist ganz normal und das muss man vorher einkalkulieren. Wer das nicht macht, ist blauäugig. Aber es kamen viele neue Kunden dazu und deswegen sind wir zufrieden.
Macht ihr die Online-Weinproben weiterhin?
Man kann es buchen, wenn man als Gruppe kommt. Aber die Anfragen kommen nicht mehr. Die Leute sind wieder froh, rauszugehen und vor Ort zu sein. Öffentliche Termine bieten wir nicht mehr an, weil die Nachfrage einfach nicht mehr da ist.
Von der Landwirtschaft zum reinen Weingut
Du führst das Weingut Stenner in vierter Generation. Seit wann gibt es euch?
Unsere Urgroßeltern haben ungefähr Ende der 1890er-Jahre angefangen. Ganz klassisch als Gemischtbetrieb, hauptsächlich Viehhaltung, Landwirtschaft und ein paar Reihen Weinbaufläche. Das wurde dann immer mehr. Zu meiner Zeit gab es keine Tiere mehr, aber noch relativ viel Landwirtschaft, und der Weinbau ist immer größer geworden.
Mein Bruder und ich sind die erste Generation, die ein reines Weingut betreibt – wir haben gar keine Landwirtschaft mehr. Flaschenwein wurde von Anfang an auch gemacht, aber jetzt sind wir wirklich ein reines Weingut.
Seit wann seid ihr reines Weingut?
Seit 2019. Seitdem wir alles umgestellt haben. Corona war sozusagen der große Restart für das Weingut.
Weinempfehlungen: Von der Scheurebe bis zum Blanc de Blanc
Wenn du nur drei Weine empfehlen darfst – welche wären das?
Auf jeden Fall unsere Scheurebe. Scheurebe ist etwas total Tolles und Außergewöhnliches, aber trotzdem Easy Drinking. Man sagt gerne, sie sei der rheinhessische Sauvignon Blanc. Sie geht wirklich in die Richtung, richtig schön fruchtig und typisch für unsere Region. Uns war wichtig, dass wir von Anfang an Scheurebe auf die Flasche bringen, nicht Sauvignon Blanc. Den gibt es überall auf der Welt. Scheurebe nur bei uns.
Ihr macht die Scheurebe trocken – das sieht man nicht so häufig?
Genau, Scheurebe kennt man sonst eher süß ausgebaut. Wir trinken persönlich lieber trockene Weine, deswegen war das für uns klar. So kommen auch die Aromen besser raus, und es ist dann auch mehr ein Alltagswein.
Ist sie vergleichbar mit einem Sauvignon Blanc?
Definitiv. Wenn Leute gerne Sauvignon Blanc trinken, mögen sie meistens auch gerne Scheurebe. Beim Sauvignon Blanc gibt es zwei Typen: den grünen, der ins Grasige geht, und den exotischen, fruchtigen. Die Scheurebe geht etwas mehr ins Fruchtige, aber man kann sie auf jeden Fall guten Gewissens empfehlen, wenn Sauvignon-Blanc-Fans am Tisch sitzen.
Und der zweite Wein?
Unser Syrah. Den kennt man nicht so typisch aus Deutschland. Unser Papa hat die Rebsorte mitgebracht, weil er in Südafrika war und totaler Fan davon war. Eine spannende Rebsorte, die super gut bei uns in der Region wächst und vom Klimawandel profitiert. Einfach ein Rotwein, der wirklich Power hat und kräftig ist, mit viel Aroma – dieses typische Pfeffrige, ein bisschen was Beeriges. Ein Rotwein, der zeigen kann, was die Deutschen mit Rotwein machen können.
Auf eurem Syrah steht „Laubenheimer“ – was bedeutet das?
Wir haben unsere Weine in Guts-, Orts- und Lagenweine eingeteilt. Das ist ein System, das viele Winzer nutzen, unter anderem die VDP-Winzer. Man kann sich das als Qualitätspyramide vorstellen.
Gutsweine sind die Basisweine, die Visitenkarte des Winzers, quasi Daily Drinking. Die Trauben können vom ganzen Weingut stammen. Ortsweine sind herkunftstypischer: Bei uns werden ab den Ortsweinen alle Trauben von Hand gelesen, mit weniger Ertrag. Die Trauben dürfen nur aus einem Ort stammen. Die Spitze der Pyramide sind die Lagenweine: nur aus einer Einzellage, etwa 40 % Ertrag im Vergleich zum Gutswein, viel extraktreicher und intensiver. Weine, die man auch zum Reifen weglegen kann und die super Essensbegleiter sind. „Laubenheimer“ deutet darauf hin, dass der Syrah ein Ortswein ist.
Inwiefern unterscheidet sich euer Syrah von dem aus Südafrika?
Es wäre schlimm, wenn sie gleich schmecken würden, denn dann würde die besondere Identität fehlen. Das Mikroklima macht etwas aus, der Boden, wie der Winzer mit den Trauben und im Keller arbeitet – es gibt so viele Stellschrauben. Man erkennt, dass es Syrah ist, aber die detaillierte Aromatik ist anders, weil Südafrika nochmal wärmer ist und die Böden ganz anders sind.
Und der dritte Wein?
Ich finde Sekt persönlich super spannend und bin da ein großer Fan. Deswegen empfehle ich unseren Blanc de Blanc. Deutscher Sekt ist extrem im Kommen und einfach ein tolles Getränk. Sei es der 2020er, der geschmacklich mehr in Richtung Champagner und Crémant geht, oder der 2022er, der noch etwas fruchtiger ist.
Welche Trauben werden dafür verwendet?
Beim 2020er sind es 100 % Chardonnay, beim 2022er eine Burgunder-Cuvée: Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay, je zu einem Drittel.

1. Scheurebe trocken
Der rheinhessische Sauvignon Blanc – richtig schön fruchtig, trocken ausgebaut und typisch für die Region. Während Scheurebe sonst oft süß oder feinherb angeboten wird, setzt das Weingut Stenner bewusst auf den trockenen Ausbau, bei dem die Aromen besonders gut zur Geltung kommen. Perfekt für Sauvignon-Blanc-Fans, die etwas Neues entdecken wollen.
2. Syrah Laubenheimer (Ortswein)
Ein kräftiger Rotwein mit Power, pfeffrigen Noten und beerigen Aromen. Die Rebsorte brachte Vater Bernhard aus Südafrika mit, in Rheinhessen entwickelt sie dank des Terroirs eine ganz eigene Identität. Handgelesen und als Ortswein vinifiziert, zeigt dieser Syrah, was deutscher Rotwein kann.
3. Blanc de Blanc Sekt
Deutscher Sekt auf hohem Niveau, erhältlich in zwei Varianten: Der 2020er aus 100 % Chardonnay geht geschmacklich in Richtung Champagner und Crémant, der 2022er als Burgunder-Cuvée (Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay zu je einem Drittel) ist etwas fruchtiger. Für Sektliebhaber, die deutschem Schaumwein eine Chance geben wollen.
Das Weinmosaik: Wenn der Geschmack aufs Etikett kommt
Euer Design fällt sofort ins Auge. Was hat es damit auf sich?
Das war eine der Sachen, die wir komplett neu gemacht haben. Wir wollten, dass die Weine für sich selbst sprechen können. Zusammen mit einer Designagentur aus Mainz haben wir das Weinmosaik kreiert.
Das Mosaik besteht aus vielen kleinen Bestandteilen, genauso wie bei uns im Familienweingut: Jeder hat seinen Job und alles muss miteinander funktionieren. Der Wein besteht aus vielen Arbeitsschritten. Diese Idee zieht sich durch das ganze Konzept.
Wir wollten den Geschmack aufs Etikett bringen. Jede Farbe, Form und Struktur auf dem Etikett hat ihre Bedeutung. Man kann den Wein einfach trinken, aber wenn man möchte, kann man über das Etikett mehr erfahren. Auf dem Rückenetikett ist ein QR-Code. Einfach abscannen und man bekommt alles erklärt und erhält direkt mehr Infos zum Wein.
Beim Lagenwein passiert viel mehr auf dem Etikett, weil auch im Geschmack viel mehr passiert, mehr Farbe, mehr Struktur. So bekommt man von den Farben vielleicht schon einen Eindruck, wie der Wein schmecken könnte, ohne das Mosaik-System überhaupt zu kennen.

Klimawandel und PIWIs: Zwischen Herausforderung und Chance
Wie steht ihr zum Thema Klimawandel?
Klimawandel betrifft jeden. Alle, die sagen, sie hätten nichts damit zu tun, lügen. Er ist überall, nur überall ein bisschen anders.
Wenn es nur wärmer würde, wäre es gar nicht so schlimm. Aber dieses Extremwetter finde ich viel schlimmer: starke Gewitter, Hagel, Spätfrost nach einem zu frühen warmen Frühling, extrem lange Nass- oder Trockenperioden. Klar, wir kommen immer früher mit der Weinlese, 2025 haben wir am 22. August angefangen, extrem früh. Ende September waren wir schon fertig. Das ist alles irgendwie handelbar.
Man kann immer etwas machen: die Laubwand höher lassen für mehr Schatten, verschiedene Stellschrauben drehen. Aber vor Hagel kann man sich einfach nicht schützen. Da kann innerhalb von kurzer Zeit alles kaputt sein.
Habt ihr PIWIs im Portfolio?
PIWIs sind bei uns schon im Anbau. 2026 haben wir den ersten Ertrag, dann kann ich mehr sagen. Wir testen gerade und schauen, ob sie halten, was sie versprechen. Vor allem für Rosé und Sekt wird das wahrscheinlich am Anfang interessant. Aber da wird es in Zukunft auf jeden Fall eine eigene Sparte geben.

Wein erleben: Von der Vinothek bis zur Rebstockpatenschaft
Ihr habt auf eurer Website einen Sprachumschalter auf Englisch. Habt ihr internationale Kundschaft?
Wir sind definitiv mehr im deutschsprachigen Raum unterwegs. Aber gerade in Mainz kommen viele Touristen oder englischsprachige Leute zu uns und machen Weinproben. Wir exportieren auch: nach England, Holland und Israel. Da haben wir aktuell Partner und sind offen für mehr. Aber als kleine Familie ist die Zeit begrenzt, doch in den nächsten Jahren wollen wir da aktiver werden.
Wie viele Hektar bewirtschaftet ihr?
Knapp neun Hektar. Bei uns arbeiten hauptsächlich mein Bruder und ich, wir haben einen Festangestellten und unser Papa macht noch kleinere Sachen und Auslieferungen.
Wo kann man euren Wein kaufen?
Man kann jederzeit in unsere Vinothek kommen, zu den Hoföffnungszeiten. Dort kann man sich durchs Sortiment probieren, man muss nicht blind kaufen. Das ist der Pluspunkt, wenn man zum Winzer geht: Man kann immer vorher probieren. Außerdem kann man Weinproben buchen oder an den öffentlichen Tastings teilnehmen.
Den Weinkeller kann man sich auch angucken, allerdings haben wir zwei Standorte: die Produktion, die wir vor etwa zehn Jahren ausgesiedelt haben weil es im Ort zu klein wurde, und unseren Verkaufsstandort.
Bietet ihr darüber hinaus noch etwas Besonderes an?
Ja, wir machen Rebstockpatenschaften. Man kann eine Patenschaft für eine Rebe übernehmen – für drei oder fünf Jahre. Man bekommt jedes Jahr zwei Flaschen Wein, wird über den Fortschritt und das Wachstum informiert und zur Weinlese eingeladen. Dann darf man wirklich seine eigenen Trauben schneiden, bekommt eine Weinprobe, Kellerführung und Mittagessen – exklusiv nur für die Paten. Das ist besonders für Leute toll, die nicht so viel mit Wein am Hut haben und mal reinschnuppern möchten.


Scheurebe trocken
Richtig schön fruchtig, trocken ausgebaut und typisch für Rheinhessen. Easy Drinking mit Charakter.

Syrah Laubenheimer
Kräftig, pfeffrig und mit beerigen Aromen. Ein Rotwein, der zeigt, was Deutschland kann.

Blanc de Blanc Sekt
Deutscher Sekt auf höchstem Niveau – aus 100 % Chardonnay oder als feine Burgunder-Cuvée.
Weitere Weingüter
Lebensfreude auf der Flasche
Malenka und Niklas Stenner zeigen eindrucksvoll, wie die junge Generation den deutschen Weinbau prägt: mit Mut zur Veränderung, naturnahem Arbeiten und einem unverwechselbaren Design, das den Geschmack schon auf dem Etikett erlebbar macht. Wer trinkfreudige Weine mit Charakter sucht ist beim Weingut Stenner genau richtig.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Vinothek in Mainz-Hechtsheim besuchen, eine Weinprobe buchen oder mit einer Rebstockpatenschaft hautnah erleben, wie aus der Rebe Wein wird. Und wer den Weg nach Rheinhessen nicht auf sich nehmen kann, findet im Online-Shop alles, um sich die Lebensfreude der Stenners direkt nach Hause zu holen.
Weingut Stenner GbR
Malenka, Niklas und Bernhard Stenner
Grauelstraße 11
55129 Mainz-Hechtsheim
Website: https://weingut-stenner.de
Rebfläche: 9 Hektar
Besonderheit: Naturnaher Weinbau mit Spontangärung und das einzigartige Weinmosaik-Design.


