Weingut

Schuhmacher


Vom Maschinenbau-Techniker zum Winzer:
Wie Daniel Schuhmacher einen alten Familiennamen in Sponsheim wieder zum Leben erweckt

Daniel Schuhmacher hat keinen klassischen Winzer-Werdegang. Er ist gelernter Techniker im Maschinenbau und hat 2018 mit einem restaurierten Traktor und zwei Hektar Pachtflächen den Weinbau wiederbelebt, den sein Opa in Bingen-Sponsheim einst betrieben hat. Heute bewirtschaftet er 2,5 Hektar eigene Weinberge im Anbaugebiet Nahe, darunter VDP-klassifizierte Lagen in Rümmelsheim und Burg Layen. Ein Interview über Quereinstieg, Handarbeit und die Frage, was ein Wein wirklich wert ist.

Weingut Schuhmacher - Daniel Schuhmacher im Weinberg

Vom Maschinenbau zum Winzer

Bei mir ist es nicht ganz der klassische Werdegang. Ich habe einen ganz anderen Beruf gelernt und danach eine Weiterbildung im Maschinenbau gemacht. Nach meinem Techniker habe ich mir einen kleinen Traktor gekauft – so wie mein Opa ihn früher hatte. Mein Opa hat bei uns im Ort Weinbau gemacht, auf dem Anwesen, auf dem ich heute wohne. Der Traktor war eigentlich nur ein Spaßprojekt zum Restaurieren.

Daniel Schuhmacher mit seinem Opa auf dem Traktor
Daniel Schuhmacher mit seinem Opa auf dem Traktor

Ein Jahr später habe ich gehört, dass bei uns im Ort Weinberge abgegeben werden, von einem Winzer, der aufhören wollte. Bei uns läuft viel über Pachtverträge, weil viele Leute Eigentümer sind, die aber keinen Weinbau mehr machen. Ich habe nicht lange überlegt, mit der Frau gesprochen und 2018 im Sommer den Pachtvertrag für knapp zwei Hektar unterschrieben.

Nach meinem Opa hat keiner den Betrieb weitergeführt. Die Flächen sind gerodet worden, weil die Größe, die er damals hatte, auch keine Familie ernähren konnte. Aber der Gedanke selber Wein zu machen war immer irgendwo im Hintergrund.

In einer Zeit mit richtig schlechtem Weinabsatz hat er mit meinem Onkel und meinen Eltern eine Schankwirtschaft im Ort aufgebaut und seinen Wein dort sehr erfolgreich ausgeschenkt. Die Leute haben noch 15, 20 Jahre später davon gesprochen, wie schön das damals war. Der Name Schuhmacher war also noch da im Dorf, aber als Weingut lag er in einer Art Dornröschenschlaf.

So weit war meine Idee am Anfang noch gar nicht gedacht. Ursprünglich wollte ich die Trauben einfach erzeugen und an Winzer oder Annahmestellen verkaufen. Aber ab Sommer 2018 habe ich angefangen, mir alles anzuschaffen. Jedes Wochenende bin ich irgendwohin gefahren (Pfalz, Mosel) und habe Maschinen gekauft. Ich habe zwei, drei gute Freunde, die mir vieles zeigen konnten. Im Januar habe ich zum ersten Mal geschnitten. Mein Kumpel hat eine Reihe mit mir zusammen geschnitten und dann hat er gesagt: „Jetzt weißt du, wie es geht.“ Im ersten Jahr habe ich für das Schneiden fast doppelt so lange gebraucht wie heute.

Das hat sich bei unserem ersten Winterabend entschieden: Ein kleines Event zwischen den Jahren 2018, Glühwein, etwas vom Grill. Die Leute haben uns regelrecht überlaufen. Da haben wir erst wirklich gemerkt, was vom Namen im Dorf noch da ist. Ab dem Moment war klar: Der Wein geht auf Flasche und er läuft unter unserem eigenen Namen.

Immer noch im Nebenerwerb. Mein Ziel ist es, das irgendwann Vollzeit zu machen. Aber das Schwierigste ist, sich einen guten Kundenstamm aufzubauen. Man kann sich viel beibringen, aber die Leute dazu zu bringen, dass sie meinen Wein überhaupt einmal probieren, das ist die eigentliche Herausforderung. Gerade jetzt, wo alles teurer geworden ist und Wein wieder zum Luxusgut wird, wird genau geguckt, wo man was kauft.

Daniel Schuhmacher auf seinem Weingut

Drei Weine, die man probiert haben muss

1.) Riesling trocken

Zum einen der 2024er Riesling trocken „Burg Layen Hölle“ – unser Wein mit dem anthrazitfarbenen Etikett. Das ist wirklich ein ganz trockener Riesling, so wie er ist. Da ist nichts groß geschönt worden: geerntet, vergoren, fertig. Er hat eine schöne knackige Säure, aber nicht aufdringlich – und er ist richtig trocken.

Viele Rieslinge brauchen eine gewisse Restsüße, um rund zu werden – ein paar Gramm pro Liter, das macht am Ende viel aus. Dieser hier kommt komplett ohne aus. Und das Ganze für 7 Euro die Flasche.

2.) Spätburgunder Barrique

Der 2020er Spätburgunder Barrique. 2019 hatten wir nur Weißwein gemacht, bewusst, einfach um mal zu starten. 2020 haben wir mit Rotwein angefangen – klassische Maischegärung. Beim Spätburgunder haben wir gesagt: Den machen wir richtig. Alles rausholen, was geht. Traditionelle Verarbeitung wie im Burgund, elf bis zwölf Monate im Barriquefass.

Nein, die haben wir uns an der Mosel von jemandem geholt, der sie aus Burgund bezieht. Wir kaufen gebrauchte Fässer, drei Stück, und allein die haben schon 1.000 Euro gekostet. Für Großbetriebe macht eine Mischung aus neuen und gebrauchten Fässern Sinn, weil der Verschnitt dann harmonisch wird. Wir haben die Mengen nicht dafür. Aber die Zwölf Euro Flaschenpreis erklären sich dadurch auch – und ich finde, das ist für einen so gemachten Rotwein mit feinen Tanninen immer noch günstig.

3.) Weißburgunder trocken

Unser 2024er Weißburgunder trocken – den würde ich vor allem als Einstieg empfehlen. Er hat ein graues Etikett, wieder mit Rhein und Nahe darauf. Wir haben im Prinzip drei Farben im Sortiment, das ist aber keine Qualitätsabstufung, sondern eher eine interne Unterscheidung. Der halbtrockene Riesling zum Beispiel steht dem trockenen von der Qualität her auch nicht nach und hat ebenfalls das graue Etikett. Das macht uns beim Ausschank einfach das Leben leichter.

Rhein, Nahe und Höhenlinien: die Etiketten

Wir hatten anfangs ein eher altmodisches Etikett und sind irgendwann auf die Idee gekommen, eine Premium-Linie zu machen. Angefangen hat das mit dem 2020er Spätburgunder. Wir wollten auf dem Etikett etwas von unserer Region, unserer Heimat unterbringen. Wenn man aus der Gegend ist, erkennt man sofort, was da abgebildet ist.

Die obere Linie ist der Rhein, die Linie, die runterläuft, ist die Nahe – unsere zwei Flüsse. Und drumherum siehst du Höhenlinien, also die Berge, die uns umgeben. Wir liegen in Sponsheim in so einem Tal, rundum der Rheingau und der Hunsrück. Dieses Motiv bildet unsere Heimat ab.

Etikett mit Rhein und Nahe - Weingut Schuhmacher
Etikett mit Rhein und Nahe – Weingut Schuhmacher

Vom Pächter zum Eigentümer: der Sprung nach Burg Layen

Bei uns in Sponsheim wird viel Gewerbe gebaut und viele Eigentümer spekulieren darauf, dass früher oder später ein Baugebiet entsteht. Da hängen die Leute an ihren Flächen und somit ist es schwer, hier vor Ort an Eigentum zu kommen.

Ich habe 2024 ein Inserat gesehen, dass Weinberge in Rümmelsheim und Burg Layen verkauft werden. Das ist Luftlinie vielleicht zehn Kilometer von uns entfernt. Ich hatte mir vorher schon öfter Flächen angeschaut, aber hier waren es wirklich tolle Lagen, teilweise VDP-klassifiziert, mit einem Terroir, das man schmeckt. Die Vorbesitzer hatten erst zehn Jahre vorher angefangen, teilweise waren junge Reben aus 2017 dabei, teilweise 30, 35, 40 Jahre alte Reben.

Genau, ein Portfolio von wirklich alten Reben und jungen Pflanzungen. Und einen Weinberg, den ich direkt nach dem Kauf gerodet habe, damit ich in den nächsten zwei, drei Jahren neu pflanzen kann. So habe ich im Betrieb einen guten Durchschnitt: Reben, die jetzt liefern und welche, die in Entwicklung sind. Drei bis vier Jahre, bis sie tragen, zehn bis zwölf, bis sie wirklich gute Qualität bringen.

Weinberge von Daniel Schuhmacher

Rebsorten, Zukauf und Maischegärung

Solange ich nur die Pachtflächen hatte, war mein Sortenspektrum sehr eingeschränkt. Heute muss man eine gewisse Auswahl bieten. Ich kaufe auch Trauben bei befreundeten Winzern zu und mache meinen Wein daraus. Durch den Kauf in Burg Layen konnte ich mein Portfolio jetzt aber über eigene Flächen umstellen.

Gegenwert statt Reibach

Das ist eine komplizierte Frage. Ich glaube nicht, dass es dieses eine Unikat gibt: Jedes Weingut wird über die Menschen dahinter geprägt. Am Ende geht es mir gar nicht um Abgrenzung. Ich mache das unheimlich gerne. Man kann fast sagen, ich liebe, was ich da mache, sonst würde ich das alles auch nicht machen.

Ich will nicht den riesen Reibach damit machen. Es gibt viele, die versuchen, aus allem das Maximum rauszuholen. Ich will einfach einen wirtschaftlichen Betrieb, der niemandem etwas verkauft, das den Preis nicht wert ist. Bei mir muss der Gegenwert stimmen.

Wein erleben in Sponsheim

Wir machen ein paar Mal im Jahr Veranstaltungen. Klassisch unser Hoffest im Sommer. Zwischen den Jahren machen wir einen Winterabend mit Glühwein, Gulasch und etwas vom Grill.

Die Leute bei uns in Sponsheim gehen gerne weg. Das war von Anfang an ein Riesenvorteil, weil der Name Schuhmacher noch da war. Unser erstes Event zwischen den Jahren 2018 war ein Überlauf. Da haben wir gemerkt, was noch da ist.

Hoffest im Sommer - Weingut Schuhmacher

Kann den Wein spontan an der Theke probieren, oder wir richten auf Wunsch eine Weinprobe mit etwas zu essen her. Dieses Jahr wollen wir außerdem mit Weinwanderungen starten, damit die Leute sehen, wo der Wein wächst. Interessierte können dann direkt dort probieren, wo die Rebe steht.

Der Online-Shop ist die zweite Möglichkeit. Ab zwölf Flaschen liefern wir versandkostenfrei, gerade für eine Geburtstagsfeier oder einen Anlass passt das gut. Und wer jemandem etwas Gutes tun möchte, aber den Geschmack nicht genau kennt: Wir bieten auch Gutscheine im Shop an.

Wein an der Theke probieren - Weingut Schuhmacher
Weingut Schuhmacher - Logo

Weitere Weingüter

Handwerk, Heimat und ein wiedererwachter Name

Daniel Schuhmacher zeigt, dass ein Weingut nicht nur über Generationen wachsen muss, um Wurzeln zu haben. Aus dem Maschinenbau heraus, mit einem restaurierten Traktor und viel Neugier, hat er in Bingen-Sponsheim einen alten Familiennamen wiederbelebt und mit dem Schritt nach Rümmelsheim und Burg Layen 2024 den Grundstein für ein eigenes Portfolio gelegt. 2,5 Hektar im Eigentum, alte und junge Reben, Handarbeit vom Weinberg bis ins Barriquefass.

Weingut Schuhmacher
Dromersheimer Straße 37
55411 Bingen am Rhein

Website: https://www.weingutschuhmacher.de
Rebfläche: 2,5 Hektar
Besonderheit: Quereinstieg als Techniker, Wiederbelebung des alten Familiennamens in Sponsheim, eigene Weinberge mit VDP-klassifizierten Lagen im Anbaugebiet Nahe.