Weinkönigin: Was sie wirklich macht und wie du selbst eine wirst
Du stehst auf einem Weinfest, ein Glas Riesling in der Hand. Auf der Bühne wird eine junge Frau mit Krone angekündigt, sie hält eine kurze Rede und stößt mit den Gästen an. Spätestens beim zweiten Glas fragt jemand am Stehtisch: „Was macht eigentlich eine Weinkönigin?“
Die übliche Antwort lautet: winken, lächeln, Fotos machen. Das stimmt nicht. Wer heute eine Weinkrone tragen will, muss vor einer Fachjury Fragen zu Weinbau und Kellerwirtschaft beantworten, Weine blind zuordnen und auf Englisch überzeugen. Moselweinkönigin Teresa Oster hat uns auf dem Weinsommer in Hannover erzählt, wie das abläuft. Ihr Vergleich: „Das ist wie so ein Jobprozess.“
Was macht eine Weinkönigin eigentlich?
Kurz gesagt: Sie ist die offizielle Botschafterin ihres Weinbaugebiets. Teresa beschreibt es so: „Als Weinkönigin bin ich Repräsentantin des Moselweins, also der Winzer und des Produkts, das sie herstellen, auch von unserer Kulturlandschaft, die sehr einzigartig ist.“ Gemeint sind vor allem die Terrassenlagen an der Mosel, für die das Gebiet laut Teresa am bekanntesten ist. Kaum eine Region lebt so sichtbar von ihren Steillagen.
Der Alltag im Amt besteht vor allem aus Terminen. An der Mosel waren Weinkönigin und Weinprinzessinnen vor der Corona-Pandemie laut Moselwein e.V. jedes Jahr bei rund 200 Terminen im Einsatz. Teresa ist „viel auf Weinfesten unterwegs“, krönt vor Ort auch Ortsweinköniginnen und wirbt außerhalb des Gebiets für den Moselwein, etwa in Hannover oder „auch viel in Berlin“. Wenige Tage nach ihrer Krönung stand sie beim Bürgerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, wo die Mosel-Weinwerbung 1.000 Flaschen Crémant und Wein ausschenkte.
Auf Bundesebene sieht es ähnlich aus. Die Deutsche Weinkönigin und ihre beiden Weinprinzessinnen nehmen im Auftrag des Deutschen Weininstituts (DWI) rund 200 Termine im In- und Ausland wahr: auf Messen, Fach- und Publikumsveranstaltungen sowie in Gremien. Dazu kommt eine Aufgabe, die heute kaum noch wegzudenken ist. Die Weinhoheiten berichten laufend in den sozialen Medien von ihren Einsätzen.
„Man kommt schon ein bisschen rum. Es ist schon spannend.“
Teresa Oster über ihr Jahr als Moselweinkönigin
Ortsweinkönigin, Gebietsweinkönigin, Deutsche Weinmajestät: Wer steht wo?
Weinkönigin ist nicht gleich Weinkönigin. „Es gibt verschiedene Hierarchien“, sagt Teresa. Weniger wert ist deshalb keine davon: „Die sind alle gut.“
Die meisten fangen im eigenen Ort an. Teresa war zwei Jahre lang Ortsweinkönigin ihres Heimatorts Kobern-Gondorf, bevor sie sich um die Krone des gesamten Anbaugebiets bewarb. Die Gebietsweinmajestäten der 13 deutschen Anbaugebiete können gegen Ende ihrer Amtszeit zur Wahl der Deutschen Weinmajestät antreten. Das ist laut Teresa „die oberste Stufe, die man erreichen kann“. Und darüber? „Nach Deutschland ist dann wirklich Schluss.“
| Ebene | Wer wählt? | Amtszeit | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Ortsweinkönigin | der jeweilige Weinort | je nach Ort unterschiedlich | Teresa Oster, zwei Jahre Weinkönigin von Kobern-Gondorf |
| Gebietsweinkönigin | Jury der Gebietsweinwerbung (Mosel 2025: 28 Mitglieder) | meist ein Jahr | Teresa Oster, Moselweinkönigin 2025/26 |
| Deutsche Weinmajestät | Fachjury des DWI mit rund 70 Mitgliedern, im Finale zusätzlich das Publikum | ein Jahr | Anna Zenz, 77. Deutsche Weinkönigin 2025/26 |
Zu einer Königin gehören fast immer Weinprinzessinnen. An der Mosel sind es derzeit drei: Nele Kuhnen, Annalena Niedersberg und Vanessa Herges. Die Deutsche Weinkönigin wird meist von zwei Prinzessinnen begleitet.
Eine schöne Pointe am Rande: Teresas Vorgängerin an der Mosel, Anna Zenz aus Ediger-Eller, trägt seit September 2025 die deutsche Krone. Sie war es auch, die Teresa im Forum Livia in Leiwen zur neuen Mosel-Weinkönigin krönte.
Wie wird man Weinkönigin?
„Ich habe mich dafür beworben. Das ist wie so ein Jobprozess, sag ich immer“, erzählt Teresa. An der Mosel geht die schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf und Foto an den Moselwein e.V. in Trier. Die Bewerberinnen müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Aus einer Winzerfamilie muss niemand stammen: Nach den Kriterien der Mosel-Weinwerbung qualifizieren auch eine Tätigkeit in der Weinbranche, etwa im Marketing oder Vertrieb, oder besondere Kenntnisse in Weinbau und Kellerwirtschaft. Erfahrung als Ortsweinkönigin hilft, ist aber keine Bedingung.
Vom Vorentscheid ins Finale
In Teresas Jahrgang wollten sieben Kandidatinnen die Mosel-Krone. Nach einem Vorentscheid standen vier im Finale. Am Wahlabend im September 2025 beantworteten sie vor mehr als 250 Gästen Fragen zu Weinbau, Oenologie, Weinvermarktung und Weintourismus, einen Teil davon auf Englisch. Export und internationale Gäste sind für den Moselwein schließlich wichtig.
Besonders knifflig war das „blind date“: Anhand einer Beschreibung mussten die Kandidatinnen die richtige Rebsorte nennen und aus vier Weinen in schwarzen Gläsern den passenden herausfinden. Teresa bringt es auf den Punkt: „Wir müssen auch Weine erschmecken können. Die Rebsorten, das wird auch geprüft an diesem Finaltag.“ Genauso zählen laut Teresa Auftreten, freies Reden und Rhetorik. Die 28-köpfige Jury aus Wein- und Tourismusfachleuten sowie Medienvertretern brauchte schließlich zwei Wahlgänge, bis die Entscheidung für Teresa fiel.
So läuft die Wahl der Deutschen Weinmajestät
Auf Bundesebene wird es noch anspruchsvoller. Das DWI richtet die Wahl traditionell im Saalbau von Neustadt an der Weinstraße aus, vorher bereitet ein Seminar die Kandidatinnen und Kandidaten vor. Im Vorentscheid gilt es, komplexe Fragen aus Weinbau, Kellerwirtschaft und Weinmarketing in jeweils 45 Sekunden zu beantworten. Eine Aufgabe ist auf Englisch zu lösen. Eine rund 70-köpfige Jury aus Weinwirtschaft, Politik, Handel und Medien bestimmt anschließend die Finalisten. Im Finale entscheiden Jury und Publikum gemeinsam.
Die Wahl 2026: Der Vorentscheid zur 78. Deutschen Weinmajestät findet am 19. September 2026 statt, das Finale am 25. September 2026 ab 20.15 Uhr live im SWR Fernsehen. Elf Gebietsweinmajestäten treten an, darunter Teresa Oster für die Mosel. Die Anbaugebiete Sachsen und Nahe schicken diesmal niemanden ins Rennen.
Ist eine Weinkönigin eine Sommelière?
Die Frage liegt nahe. Teresa räumt sie freundlich, aber bestimmt ab: „Ich wollte einfach nur klarstellen, dass ich keine Sommeliere bin.“ Den Beruf hält sie hoch: „Sommelier ist wirklich eine ganz krasse Ausbildung.“
Trotzdem steckt hinter der Krone solides Fachwissen. „Ich kenne mich schon mit Wein aus und versuche, ihn auch richtig beschreiben zu können“, sagt Teresa. Sie hat an der Hochschule Geisenheim Internationale Weinwirtschaft studiert und danach an der Universität Trier Betriebswirtschaftslehre mit Blick auf Marketing. Wichtig ist ihr die Abgrenzung zum Studiengang Weinbau und Oenologie: „Da macht man wirklich, wie man Wein anbaut und ausbaut im Keller. Das kann ich nicht.“ Ihr Schwerpunkt lag auf der Vermarktung, „also wie man das dann an den Endkonsumenten weitergeben kann“.
Heute arbeitet sie als Social Media Managerin beim Moselwein e.V., der Weinwerbung ihres Anbaugebiets. Oder wie sie selbst sagt: „Mosel durch und durch, jeden Tag.“
Ehrenamt mit Aufwand: Verdient eine Weinkönigin Geld?
Wer glaubt, die Krone sei ein bezahlter Job, liegt falsch. „Jeder, der das macht, hat ein großes Lob verdient, weil es ehrenamtlich ist“, sagt Teresa. „Es ist ganz viel Zeit und teilweise Geld, was man da reininvestiert.“ Viele Weinhoheiten stemmen das Amt neben Studium oder Beruf. Teresa selbst stand bei ihrer Wahl kurz vor ihrem Masterabschluss.
Ganz ohne Unterstützung bleiben die Majestäten nicht. Der Moselwein e.V. hat der Weinkönigin in der Vergangenheit ein Fahrzeug für das Amtsjahr gestellt. Dazu kamen Zuschüsse für die Garderobe und Aufwandsentschädigungen für die Einsätze. Reich wird damit niemand. Der eigentliche Gewinn liegt woanders: in Bühnenerfahrung, Kontakten und einem Netzwerk in der Weinbranche, das auch nach der Amtszeit weiterhilft.
Weinkönig statt Weinkönigin: Dürfen auch Männer antreten?
Ja. Das ist allerdings noch ziemlich neu. „Nein, nein, das gibt es auch“, antwortet Teresa auf die Frage, ob nur Frauen die Krone tragen können. 2024 wählte Rheinhessen mit Levin McKenzie erstmals einen Mann an die Spitze seiner Weinmajestäten. Der Winzer aus Wackernheim ist auch als Wein-Influencer bekannt. Im Juni 2025 folgte die Ahr: Felix Lüdenbach aus Heimersheim wurde erster Ahrweinkönig.
Auf Bundesebene hatte das Folgen. Weil 2025 erstmals zwei Männer antraten, wurde nach 76 Jahren aus der Wahl der Deutschen Weinkönigin die Wahl der Deutschen Weinmajestät. Ein Mann würde den Titel Deutscher Weinkönig oder Deutscher Weinprinz tragen und statt einer Krone eine Amtskette erhalten. 2025 setzte sich am Ende Anna Zenz durch. 2026 tritt mit Felix Lüdenbach erneut ein Mann an, neben zehn Kandidatinnen.
Vom Dirndl zum Karrieresprungbrett: Wie alt ist das Amt?
Die Weinkönigin ist ein vergleichsweise junges Kapitel der deutschen Weingeschichte. Die erste kürte 1931 die Pfalz. Kurios: Ruth Bachrodt kam aus Pirmasens, wo gar kein Wein angebaut wird. Lange galt ein enges Rollenbild. 1950 beschrieb die Süddeutsche Zeitung die Kandidatinnen als „echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig“. Zu den Prüfungen gehörten damals ein Walzer und eine Rede.
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1931 | Die Pfalz wählt als erstes deutsches Anbaugebiet eine Weinkönigin. |
| 1949 | Elisabeth Kuhn aus Diedesfeld wird erste Deutsche Weinkönigin, ab 1950 gibt es eine eigene Wahl. |
| 1966 | Ein Weinglas ersetzt das Zepter. |
| 1981 | Das Dirndl als Pflicht für Fototermine wird abgeschafft. |
| 2000 | Kandidatinnen müssen weder ledig sein noch aus einer Winzerfamilie stammen. Es zählt eine starke Verbundenheit mit deutschem Wein. |
| 2015 | Neue Krone aus vergoldetem Silber, 90 Gramm schwer. |
| 2025 | Erstmals treten Männer an, die Wahl heißt nun „Wahl der Deutschen Weinmajestät“. |
Heute zählen ganz andere Dinge: Fachwissen in Oenologie und Kellertechnik, Schlagfertigkeit, Fremdsprachen und Exportwissen. Für viele ehemalige Amtsinhaberinnen wurde die Krone zum Sprungbrett in Marketing, Gastronomie oder den eigenen Betrieb. Die bekannteste ist wohl Julia Klöckner, die als Deutsche Weinkönigin den Weg in die Politik fand.
Hat eine Weinkönigin Mitspracherecht?
Repräsentieren ist das eine. Redet eine Weinkönigin aber auch mit, wenn ihre Weinwerbung eine Kampagne plant? Teresa antwortet ehrlich: Es komme darauf an, ob in ihrem Amtsjahr gerade solche Überlegungen laufen. Gefragt wird sie durchaus: „Dann kommen Leute auf dich zu und fragen, was deine Meinung dazu ist, wie man das vielleicht verbessern könnte.“
Der Grund liegt auf der Hand. Kaum jemand kommt in einem Jahr so viel im eigenen Gebiet herum. „Du erlebst ganz viele Weinfeste, Winzer und Orte, das lernst du alles noch mal ganz neu kennen. Dann hast du auch schon ein Gefühl für die Region“, sagt Teresa. So wird aus der Botschafterin eine gefragte Stimme, die weiß, was Gäste und Winzer bewegt.
Wo triffst du eine Weinkönigin?
Die einfachste Antwort: dort, wo Wein ausgeschenkt wird. Auf einem Weinfest in einem Anbaugebiet stehen die Chancen gut, denn Weinfeste sind die Hauptbühne der Orts- und Gebietsweinköniginnen. Außerhalb der Weinregionen lohnt ein Blick in den Kalender der Weinmessen. Teresa war nicht nur in Hannover im Einsatz, sondern nach eigenen Worten auch viel in Berlin.
Wir haben Teresa auf dem 41. Weinsommer in Hannover getroffen, mitten auf dem Opernplatz zwischen den Ständen der Winzerinnen und Winzer. Sprich die Majestäten ruhig an: Fragen gehören zum Job. Wer mit Krone am Stand steht, kennt die Weine seines Gebiets meist besser als so mancher Gast.
Teresa Oster im Interview: Das ganze Gespräch
Das Gespräch entstand auf dem WEINsommer in Hannover. Teresa erzählt darin von ihren zwei Jahren als Ortsweinkönigin in Kobern-Gondorf, vom Wahlabend an der Mosel und davon, was in einem Amtsjahr wirklich anfällt. Wie sie ihre Aufgabe beschreibt: „Und das alles vertrete ich, sowohl an der Mosel selber.“
Teresa Oster im Gespräch mit Benjamin Bode beim WEINsommer Hannover. Aus diesem Interview stammen die Zitate in diesem Beitrag.
Fazit: Mehr Botschafterin als Königin
Die Krone wirkt märchenhaft, das Amt dahinter ist handfeste Arbeit. Eine Weinkönigin vertritt Winzer, Weine und Landschaft ihres Gebiets, besteht vorher eine Fachprüfung mit Blindverkostung und absolviert im Amtsjahr rund 200 Termine. All das macht sie ehrenamtlich, meist neben Studium oder Beruf.
Gleichzeitig hat sich das Amt stark gewandelt. Aus den „Töchtern der Weinberge“ im Dirndl sind Fachleute mit Weinstudium, Social-Media-Erfahrung und Englischkenntnissen geworden. Seit auch Männer antreten, heißt die Bundeswahl Weinmajestät. Teresa Oster zeigt, wie das heute aussieht: Sie verbindet Weinwissen und Marketing zu einem Beruf, der sich um ihre Heimat dreht.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Weinkönigin
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