Weinfest besuchen: So probierst du richtig
Vor dir stehen drei Weinlisten, hinter dem Tresen wartet ein freundliches Gesicht. Du möchtest etwas Neues probieren, aber Riesling, Grauburgunder und Scheurebe sagen dir bisher wenig. Genau hier beginnt ein guter Weinfestbesuch: mit einer einfachen Frage an den Menschen, der den Wein gemacht hat.
Wer ein Weinfest besuchen möchte, braucht keinen Verkostungskurs. Kleine Proben, etwas Zeit und ehrliche Rückmeldungen bringen dich weiter. Michael Berger, Veranstalter der WEINsommer-Reihe, hat uns im Interview erzählt, wie du am Stand einen Anfang findest und aus der großen Auswahl deine Favoriten entdeckst.
Vor dem Weinfest: Essen, Wasser und Zeit einplanen
Ein Blick auf die Weinfeste und Weinmessen in deiner Nähe hilft bei der Auswahl. Schau anschließend beim Veranstalter nach Öffnungszeiten, Ausstellern und dem Ablauf: Gibt es freien Eintritt, ein Verkostungsticket oder einzelne Ausschankpreise? Auch Glasgeld und Pfand sind unterschiedlich geregelt. So weißt du vorher, welches Budget du neben dem Flaschenkauf brauchst.
Iss vorher eine normale Mahlzeit und plane auch auf dem Fest eine Essenspause ein. Trinke zwischendurch Wasser. Für den Heimweg sind Bus, Bahn, Taxi oder eine Begleitung, die alkoholfrei bleibt, praktisch. Zur Vorbereitung gehört außerdem ein kleiner Verzicht: Starkes Parfüm macht es dir und den Menschen neben dir schwerer, feine Weindüfte wahrzunehmen.
Lass zwischen Ankunft und Heimfahrt Luft für Gespräche. Wer direkt von einem Stand zum nächsten eilt, merkt sich am Ende vor allem, dass viel los war. Für deine ersten Entdeckungen reichen wenige ausgewählte Stände völlig aus.
Am ersten Stand: Sag ruhig, dass du Anfänger bist
Michael Bergers Empfehlung klingt angenehm unspektakulär: Geh zu einem Winzer und sag offen, wo du stehst. Seine Formulierung im Gespräch lautet: „hey, ich bin Anfänger, habe keine Ahnung, kann ich mal verschiedene Weine probieren?“ Du musst also weder mit einem Fachbegriff anfangen noch schon deine Lieblingsrebsorte kennen.
Hilfreich ist eine kleine Beschreibung deiner Vorlieben. Magst du frische, säuerliche Früchte? Eher weiche, saftige Geschmäcker? Trinkst du normalerweise trocken oder lieber etwas süßer? Auch ein schlichtes „Der ist mir zu sauer“ ist eine brauchbare Rückmeldung. Daraus lässt sich die nächste Probe viel besser auswählen als aus einem höflichen Nicken.
Frag nach zwei unterschiedlichen Weinen zum Kennenlernen und kläre dabei die Bedingungen der Probe. Gerade bei viel Betrieb ist eine kurze, konkrete Frage ein guter Einstieg. Wenn du ausführlicher sprechen möchtest, lohnt sich ein ruhigerer Moment am Stand.
Probeschluck statt 0,1: So verkostest du den Wein
Ein ausgeschenktes Glas von 0,1 Litern enthält 100 Milliliter. Für einen ersten Eindruck brauchst du deutlich weniger. Berger trennt deshalb klar zwischen Trinken und Probieren: Bitte ausdrücklich um einen kleinen Probeschluck. So bleibt Platz im Glas zum Schwenken und du kannst dich auf Duft und Geschmack konzentrieren.
Halte das Glas am Stiel und rieche zunächst kurz hinein. Schwenke es vorsichtig und rieche noch einmal. Vielleicht erinnert dich der Duft an Apfel, Zitrone, Birne oder Blüten. Du musst keine ganze Obstschale aufzählen. Ein einziger Eindruck, den du wiedererkennst, ist ein guter Anfang.
Nimm einen kleinen Schluck und bewege ihn im Mund. Wirkt der Wein frisch, weich, süßlich oder herb? Bleibt nach dem Probieren ein Geschmack zurück? Dieser Nachklang heißt Abgang. Wer mehrere Weine vergleichen möchte, kann die Probe ausspucken. Frag am Stand nach einem dafür vorgesehenen Gefäß; auch Weinreste müssen nicht ausgetrunken werden.
Dein einfachster Verkostungszettel: Notiere Weingut, Weinname und einen persönlichen Eindruck. „Frisch, Zitrus, gefällt mir“ hilft dir beim Wiederfinden mehr als eine Beschreibung voller fremder Fachwörter.
KI-generiertRebsorten vergleichen: Bergers Bild vom Apfelregal
Um die Vielfalt zu erklären, greift Berger im Interview zum Bild verschiedener Äpfel in einem Obstregal. Dahinter steckt ein hilfreicher Gedanke: Trauben bringen unterschiedliche aromatische Eigenschaften mit. Bei den Weißwein-Rebsorten kannst du solche Unterschiede besonders gut nebeneinander entdecken.
Bitte beispielsweise um einen Riesling und einen Grauburgunder mit ähnlicher Geschmacksrichtung. So vergleichst du zwei Rebsorten, ohne gleichzeitig von trocken zu lieblich zu wechseln. Die Sorte allein legt den Geschmack allerdings nicht fest. Auch Herkunft, Reife und die Arbeit im Keller prägen den Wein. Deshalb kann dir ein Riesling zusagen, während dich ein anderer weniger anspricht.
| Deine Frage am Stand | Was du dabei vergleichst |
|---|---|
| „Hast du zwei unterschiedliche trockene Weißweine?“ | Rebsorten und ihre jeweiligen Aromen |
| „Gibt es diese Rebsorte auch etwas fruchtiger oder mit mehr Restsüße?“ | Verschiedene Ausprägungen derselben Sorte |
| „Welchen leichteren Wein würdest du zuerst probieren?“ | Leichte und kräftigere Weine in sinnvoller Reihenfolge |
Als Orientierung empfiehlt das Deutsche Weininstitut, mit leichten Weinen zu beginnen und sich zu kräftigeren vorzutasten. Trockene Weine kommen dabei vor lieblichen. Das ist eine hilfreiche Reihenfolge für den Vergleich, kein starres Programm für deinen Nachmittag.
Mit dem ersten Favoriten zum nächsten Stand
Sobald dir ein Wein besonders gefällt, wird die Auswahl leichter. Bergers Tipp: Geh mit diesem ersten Favoriten im Kopf zum nächsten Stand und frage gezielt danach. Nenne Rebsorte und Geschmacksrichtung oder beschreibe, was dir gefallen hat. „Ich suche noch einen frischen, trockenen Riesling“ öffnet ein konkreteres Gespräch als „Was ist euer bester Wein?“
Du kannst eine ähnliche Stilrichtung bei einem anderen Weingut probieren oder bewusst um einen Gegenpol bitten. Beides schärft dein Gefühl für den eigenen Geschmack. Ein Foto des Etiketts hilft beim Wiederfinden; ergänze kurz den Stand oder den Namen des Betriebs. Wenn dir die Unterschiede irgendwann verschwimmen, ist eine Pause sinnvoller als die nächste Probe.
Wie viele Weine kannst du auf einem Weinfest probieren?
Im Interview nennt Berger 30 bis 50 Weine als mögliche Größenordnung für eine professionelle Verkostung. Seine Voraussetzung ist entscheidend: sehr kleine Proben und Ausspucken. Er beschreibt ausdrücklich, „dass man nur probiert, aber nicht schluckt“. Die Zahl bezieht sich also nicht auf 30 bis 50 getrunkene Gläser.
Für deinen ersten Weinfestbesuch ist daraus kein Ziel abzuleiten. Du möchtest Unterschiede wahrnehmen, Gespräche führen und etwas finden, das dir schmeckt. Wie viele Proben dafür passen, hängt von Menge, Tempo und deiner Aufmerksamkeit ab. Du darfst nach wenigen Weinen zufrieden sein und genauso selbstverständlich bei Wasser bleiben.
Genuss braucht keine Zielzahl. Kleine Proben, Pausen, Wasser und Essen gehören zusammen. Sie garantieren jedoch keine Fahrtüchtigkeit. Wer fährt, sollte auf Alkohol verzichten, empfiehlt auch Wine in Moderation.
KI-generiertKaufen und mitnehmen: So findest du deinen Wein wieder
Wenn ein Wein überzeugt, frag nach dem Flaschenpreis und prüfe den Jahrgang. Die Flasche für zu Hause sollte zu der Probe passen, die dir gerade gefallen hat. Kläre außerdem, ob du sofort etwas mitnehmen kannst oder ob der Betrieb Bestellungen annimmt und versendet. Beides hängt vom jeweiligen Stand ab.
Kaufe die Weine, die dir wirklich gefallen. Eine offene Rückmeldung und ein freundliches Danke sind besser als ein Kauf aus Verlegenheit. Wenn du Flaschen mitnimmst, packe sie bruchsicher ein und lasse sie nicht stundenlang in der prallen Sonne stehen. Vielleicht möchtest du später auch das Weingut besuchen: Dann hast du mit dem Gespräch auf dem Fest schon einen persönlichen Anknüpfungspunkt.
Michael Berger im Interview: Das Gespräch hinter den Tipps
Unser Gespräch mit Michael Berger entstand beim WEINsommer in Hannover. Er erzählt darin von der Veranstaltungsreihe, dem direkten Kontakt zwischen Weingütern und Gästen und seinem Einstieg ins Probieren. Warum ihm das Gespräch am Stand so wichtig ist, bringt er mit diesem Satz auf den Punkt: „Und das ist das Geile, weil wir haben hier Geschichten, die wir trinken können.“
Michael Berger im Gespräch mit Benjamin Bode beim WEINsommer Hannover. Aus diesem Interview stammen die Zitate und die Tipps des Veranstalters.
Fazit: Dein Geschmack ist der beste Ausgangspunkt
Ein Weinfest gibt dir die seltene Gelegenheit, viele Betriebe an einem Ort kennenzulernen. Nutze sie für Fragen, die auf keinem Etikett beantwortet werden: Warum schmeckt dieser Wein so? Was unterscheidet ihn vom nächsten? Und welcher passt zu dem, was du gern magst?
Ein guter Weinfestbesuch endet mit einer Entdeckung, die du wiederfinden möchtest. Das kann eine Flasche sein, eine Rebsorte oder ein Mensch, dessen Weine dich neugierig gemacht haben. Dafür brauchst du vor allem Zeit und den Mut zur ersten Frage.
FAQ: Häufige Fragen zum Weinfestbesuch
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Diese Weine stammen von Weingütern aus unseren Interviews – bestellt wird direkt beim Winzer.









