Weingut

THEOS Wein und Gut


Ein Neuanfang mit 55:
Wie Achim Dettweiler sein Weingut komplett neu erfand

In Wintersheim, einem kleinen Dorf mit nicht einmal 300 Einwohnern zwischen den rheinhessischen Hügeln, liegt Theos Wein und Gut. Was auf den ersten Blick wie ein junges Start-up wirkt, hat tiefe Wurzeln: Achim Dettweiler stammt aus einer Familie, die seit Generationen Landwirtschaft betreibt. Doch 2020 wagte er einen radikalen Neuanfang, mit neuem Namen, komplett biologischem Anbau und einem klaren Fokus auf die Zukunft des Weinbaus.

THEOS Wein und Gut - Weingut und Familie

Der Weg zum Wein

Ich bin auf dem elterlichen Betrieb groß geworden. Das war damals ein Gemischtbetrieb, wie hier in Rheinhessen relativ viele, mit Ackerbau, mit Viehzucht sogar noch und mit Weinbau. Mich hat im Prinzip immer der Weinbau interessiert, während ich bis zum Abitur noch gar nicht genau wusste, was ich machen will. Dann habe ich relativ kurzfristig entschieden: Jetzt mache ich eine Winzerlehre. Ich hätte auch Architektur studieren können, aber dann hat mich irgendwie doch der Weinbau fasziniert und ich habe es nie bereut.

Den Weinbau gab es schon über Generationen. Mit Flaschenwein hat dann mein Opa in den 50er Jahren angefangen, allerdings nur in ganz kleinem Maßstab.

Ja, ich habe Winzer in der Pfalz und am Kaiserstuhl gelernt, dann in Geisenheim studiert. Dazu kamen längere Aufenthalte in den USA und Südafrika. Das sind einfach Erfahrungen, die man gemacht hat, genauso wie meine Lehrbetriebe und mein Studium. Viele Faktoren fließen da rein und daraus bastelt man sich irgendwie sein Gesamtkonzept.

THEOS Wein und Gut - Der Hof
THEOS Wein und Gut – Der Hof

Der Neuanfang: Aus eins mach zwei

2020 hat sich bei uns relativ viel verändert. Ich hatte vorher einen Betrieb zusammen mit meinem Bruder, über 20 bis 25 Jahre lang. Das haben wir dann komplett getrennt: Wir haben im Prinzip aus einem Weingut zwei gemacht. Mein Bruder hat den alten Namen behalten, da wollten wir nicht denselben Familiennamen prominent auf dem Etikett haben.

Also mussten wir uns was Neues überlegen. Ich heiße Achim, doch damit kann man relativ wenig anfangen. „Theos Wein und Gut“ ist entstanden, weil wir uns gedacht haben: Die Firma müssen wir jetzt entwickeln und voranbringen, so wie wir unseren Sohn Theo auch versuchen zu erziehen. Den Namen THEOS Wein und Gut haben wir uns übrigens auch markenrechtlich schützen lassen. Wir hatten sogar tatsächlich gerade einen Fall, wo wir unser Recht auf die Marke anwenden mussten.

Genau. Wir haben mit neuem Namen (THEOS Wein und Gut) und neuem Auftritt angefangen und gleichzeitig auf Bio umgestellt. Das hätte ich vielleicht auch schon früher gemacht, aber vorher musste man eben immer alles besprechen und gemeinsam entscheiden. Jetzt sind wir alleine und müssen keine Kompromisse mehr machen.

100% Bio – ohne Ausnahme

Wir haben 2020 umgestellt, dann hat man eine Umstellungsphase von drei Jahren. Erst danach darf man seine Erzeugnisse „Bio“ nennen. In der Zwischenzeit hätte man „aus Umstellung“ draufschreiben dürfen, aber das interessiert ja niemanden. Seit dem Jahrgang 2023 ist alles Bio.

Das Weingut arbeitet nach den strengen Richtlinien von ECOVIN, dem Bundesverband Ökologischer Weinbau. ECOVIN wurde 1985 gegründet und ist der größte deutsche Anbauverband, der sich ausschließlich auf ökologischen Weinbau spezialisiert hat. Die Richtlinien gehen über die gesetzlichen EU-Bio-Vorgaben hinaus und legen besonderen Wert auf Biodiversität im Weinberg.

Da sind wir jetzt bei Leibe nicht die einzigen. Aber ja, wir haben konsequent umgestellt. Bio macht mit den pilzwiderstandsfähigen Sorten auch viel mehr Sinn als mit traditionellen Sorten wie Riesling oder Grauburgunder. Ich habe da einfach vom Pflanzenschutz her deutliche Vorteile.

Piwi-Sorten: Die Zukunft im Glas

Wir pflanzen seit 2018 im Prinzip nur noch diese pilzwiderstandsfähigen Sorten. Mittlerweile besteht unsere Weinliste zu mehr als der Hälfte aus Piwis. Die Vorteile sollten zumindest bei den Winzerkollegen bekannt sein: deutliche Einsparungen beim Pflanzenschutz und bei der CO₂-Bilanz. Die Verbraucher tun sich vielleicht noch etwas schwerer: Die wissen, was ein Grauburgunder ist, was ein Riesling ist, aber kennen halt keinen Calardis Blanc oder Souvignier Gris. Da müssen wir noch Aufklärungsarbeit leisten.

Ich bin überzeugt davon. Ein Riesling oder ein Grauburgunder werden nicht verschwinden: Ich vergleiche das immer mit einem Oldtimer-Auto, einem Verbrenner mit Chrom und allem drum und dran. So wird es den Riesling auch immer geben, weil es einfach Kulturgut ist. Aber ein Großteil der Weine, die ich jeden Tag trinke – warum sollen die nicht aus Piwi-Trauben sein, die deutliche Vorteile im Anbau haben und genauso gut schmecken können?

Die Trauben sind oft die gesündesten, die wir reinholen. Auch dieses Jahr hatten wir noch mal eine Regenphase zum Ende der Ernte, sodass wir ziemlich flott unterwegs waren. Aber die Piwi-Trauben waren trotzdem in bestem Zustand.

Was sind Piwi-Rebsorten?
Piwi steht für „pilzwiderstandsfähig“. Diese modernen Rebsorten wurden gezüchtet, um natürliche Resistenzen gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau zu haben. Das bedeutet: weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Traktorfahrten durch den Weinberg und damit auch ein deutlich nachhaltigerer Weinbau. Mehr dazu in unserem ausführlichen Artikel: Piwi Rebsorten: Die Zukunft des nachhaltigen Weinbaus

THEOS Wein und Gut - Wein im Glas

Jung gegen Alt: Der Generationenkonflikt beim Wein

Absolut. Bei unseren Weinkunden merken wir das deutlich. Die Älteren (ich bin selbst 60) sagen oft: „Ich habe schon immer meinen Riesling getrunken oder meinen Grauburgunder. Warum soll ich jetzt noch mit was anderem anfangen?“

Junge Leute haben diesen Ballast gar nicht im Kopf. Die gehen unvoreingenommen ran, und da ist es überhaupt kein Problem. Das Spannende ist ja, neue Sachen zu entdecken. Und wenn man dadurch mit weniger Pestiziden auskommt und eine bessere Ernte einfahren kann, dann macht das vorne und hinten Sinn.

Auch Jonas Kiefer, ein anderer rheinhessischer Winzer, den wir interviewt haben, setzt auf Piwi-Sorten wie Cabernet Blanc – neben seinen historischen Rebsorten aus dem Mittelalter.

Drei Weine, die man probiert haben muss

1. Calardis Blanc – Der elegante Einstieg

Der Calardis Blanc ist meine erste Empfehlung für alle, die Piwi-Weine noch nicht kennen. Diese Rebsorte geht von der Aromatik in die klassische Richtung Riesling und Weißburgunder, also vertrautes Terrain für Weinliebhaber, die bisher nur traditionelle Sorten getrunken haben.

Was den Calardis Blanc besonders macht: Er verbindet die Eleganz eines klassischen deutschen Weißweins mit den ökologischen Vorteilen einer Piwi-Sorte. Die Trauben sind von Natur aus widerstandsfähiger, was uns erlaubt, mit deutlich weniger Pflanzenschutz zu arbeiten.

Unser Calardis Blanc wurde übrigens von Gault&Millau bewertet. Das ist für uns immer eine schöne Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Man ist ja selbst immer sehr überzeugt von seinen Weinen, aber es ist gut, wenn man das auch mal von außen bestätigt bekommt.

Passt zu: Fisch, leichten Vorspeisen, Salaten mit Ziegenkäse

2. Sauvignac – Die clevere Alternative

Sauvignon Blanc war für uns immer ein Thema: pflanzen wir die, pflanzen wir die nicht? Hat mittlerweile aber jeder irgendwo, ist also kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die Aromatik ist zwar interessant, aber wir wollten etwas Besonderes.

Dann kam der Sauvignac: Er ist vom Sauvignon Blanc gar nicht weit entfernt und hat diese typischen grünen Aromen, ein bisschen Gras, ein bisschen Stachelbeere, diese frische, lebendige Note, die Sauvignon-Blanc-Fans so lieben. Aber eben mit allen Vorteilen einer Piwi-Sorte: robuster im Weinberg, weniger Pflanzenschutz nötig, besser für die Umwelt.

Wer Sauvignon Blanc mag, wird den Sauvignac lieben und kann ihn mit gutem Gewissen genießen.

Passt zu: Spargel, asiatischer Küche, Meeresfrüchten

3. Divico – Der eigenständige Rote

Obwohl wir nicht viel Rotwein haben (eigentlich ganz wenig) ist der Divico etwas ganz Besonderes. Diese Schweizer Rebsorte habe ich bei meinem Rebveredler kennengelernt und war sofort fasziniert.

Der Divico ist ein tief dunkler Wein, der stilistisch seinen eigenen Weg geht: nicht die Tanninwucht eines Cabernet, nicht die Eleganz eines Spätburgunders, sondern etwas dazwischen. Beerig, mit Aromen von Brombeere und Holunder, samtig am Gaumen.

Zudem bauen wir diesen Wein im Barrique aus. Es ist unser einziger Rotwein im Moment und er verdient diese besondere Behandlung. Das Holz gibt ihm zusätzliche Komplexität, ohne die Frucht zu überlagern.

Passt zu: Wild, geschmortem Rindfleisch, reifem Käse, oder einfach solo am Kamin

Aufgrund der kleinen Produktionsmenge ist der Divico oft schnell vergriffen. Aus diesem Grund am besten direkt beim Weingut nach Verfügbarkeit fragen.

Achim Dettweiler im Weinkeller
Achim Dettweiler im Weinkeller

Warum „vegan“ beim Wein wichtig ist

Als ich 1983 meine Lehre angefangen habe, war „vegan“ überhaupt kein Thema. Man hat Weine klassisch mit Eiweiß oder Gelatine geschönt, damit die Trubstoffe ausflocken und die Weine stabil werden. Damals gab es keine Alternativen.

Heute kann man mit Erbsenprotein schönen und die Weine sind dann vegan. Das ist erst seit 10 bis 15 Jahren überhaupt ein Thema. Diese Schönungsmittel muss man normalerweise gar nicht deklarieren. Früher wurde teilweise sogar mit Hausenblase (also Fischblase) bei säurebetonten Rieslingen gearbeitet. Sowas setzen wir heute nicht mehr ein, weil es Alternativen gibt.

Das Weingut heute und morgen

Wir bewirtschaften aktuell knapp 14 Hektar in Wintersheim, Uelversheim und Nierstein. Das wird 2026 auf etwa 12 Hektar schrumpfen, weil ein paar Pachtflächen weggehen, aber das ist vollkommen okay.

Ja, das ist Vollerwerb. Aber wir können nicht alles selbst als Flaschen vermarkten, dafür fehlen uns die Kapazitäten, vor allem im Marketing. Ein Teil geht als lose Ware an Kellereien. Das ist hier in Rheinhessen bei vielen Kollegen so.

THEOS Wein und Gut - Ferienwohnung
THEOS Wein und Gut – Ferienwohnung

Wir haben ein Ferienhaus hier auf dem Weingut mit drei Zimmern, drei Bädern und Küche. Rheinhessen ist ja auch eine Urlaubsregion und weil wir zentral in Deutschland liegen, kommt oft jemand aus Norddeutschland, trifft Familie aus Süddeutschland und die mieten sich bei uns ein. Dazu haben wir hinten im Garten noch einen Stellplatz für Wohnmobile.

Das ist eigentlich die Art, wie wir am ehesten neue Kunden gewinnen. Messen machen wir kaum.

Wir sind da in einer Zwischenphase. Mein Sohn Theo ist gerade 16 geworden. Ich habe keine Ahnung, ob er das mal weitermachen will. Im Moment hat er da kein Interesse, aber das hatte ich in dem Alter auch nicht. Das lassen wir auf uns zukommen. Aber wer jetzt unser Weingut entdeckt: Die nächsten fünf bis zehn Jahre ist der edle Tropfen auf jeden Fall gesichert.

THEOS Wein und Gut - Logo
Calardis Blanc - THEOS Wein und Gut

Calardis blanc (feinherb)

Ein fruchtiger Weißwein mit spritziger Säure und feinem Schmelz. Hellgelb im Glas, mit Aromen von knackigem Apfel, reifer Birne und einem zarten Hauch Zitrus.

Sauvignac - THEOS Wein und Gut

Sauvignac (trocken, Naturwein)

Handlese vollreifer Trauben, schonendes Abpressen, Spontanvergärung, Ausbau im Barrique, Abfüllung ohne Filtration und Schwefelung.

Divico

Ein Rotwein mit seidigen Tanninen. Tiefdunkel in der Farbe, mit Noten von Brombeere, dunkler Kirsche und dezenter Holzwürze.

Weitere Weingüter

Mut zum Neuanfang

Achim Dettweiler zeigt, dass es nie zu spät ist, alles auf eine Karte zu setzen. Mit 55 Jahren hat er sein Weingut komplett neu aufgestellt: neuer Name, konsequent biologischer Anbau nach ECOVIN-Richtlinien, klarer Fokus auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Während andere noch zögern, hat er bereits mehr als die Hälfte seiner Rebfläche auf Piwi-Sorten umgestellt.

Theos Wein und Gut ist kein Weingut, das an der Vergangenheit festhält. Es ist eines, das die Zukunft des Weinbaus aktiv mitgestaltet, mit ehrlichen, authentischen Weinen, die auch mal Ecken und Kanten haben dürfen. Wer neugierig auf die neuen Rebsorten ist und gleichzeitig Wert auf biologischen Anbau legt, findet hier genau das Richtige.

Theos Wein und Gut
Hauptstraße 13
67587 Wintersheim

Website: https://www.theos-weinundgut.de
Rebfläche: 12 Hektar
Besonderheit: 100% Bio und ECOVIN-zertifiziert, über die Hälfte der Rebfläche mit Piwi-Sorten bepflanzt, alle Weine vegan.