Jan Bollig
Ein Kindheitstraum, viereinhalb Hektar Steillage:
Jan Bollig über das Weingut seines Onkels, Riesling vom Schiefer und Urlaub zwischen den Reben in Osann-Monzel
Jan Bollig wollte nie etwas anderes werden als Winzer. Schon als Kind stand er beim Onkel im Weinberg, mit 16 begann er die Winzerausbildung und 2021 schloss er den Techniker für Weinbau und Oenologie in Bad Kreuznach ab. Heute führt er das Weingut seines Onkels in Osann-Monzel an der Mittelmosel: viereinhalb Hektar, überwiegend klassische Schiefersteillage, dazu Ferienwohnungen mit Blick auf die Reben. Sein Anspruch: die lange Weinbautradition an der Mosel fortführen und dabei Althergebrachtes mit modernen, frischen Ideen verbinden. Getroffen haben wir Jan auf dem 41. Weinsommer in Hannover.

Für mich gab es keinen anderen Beruf, den ich hätte erlernen wollen als den des Winzers. Da habe ich mich verwirklicht.
Jan Bollig
Das Interview im Video
Wollte nie etwas anderes werden: vom Onkel zum eigenen Weingut
Jan, wir stehen hier an deinem Stand auf dem 41. Weinsommer in Hannover. Schön, dass wir miteinander sprechen dürfen. Du bist ja noch relativ jung: Wie bist du dazu gekommen, ein eigenes Weingut zu führen?
Ich wollte schon immer Winzer werden, wirklich schon seit frühester Jugend. Ich war eigentlich auch immer mit dabei, im Weinberg und im Weinkeller. Meinem Onkel, von dem ich den Betrieb übernommen habe, habe ich schon als Kind tatkräftig geholfen. Hier am Stand laufen ein paar Bilder durch, auf denen man das sieht: ich als kleiner Kerl, ganz eifrig am Arbeiten. Für mich gab es keinen anderen Beruf, den ich hätte erlernen wollen als den des Winzers. Da habe ich mich verwirklicht.
Jan Bollig wollte schon als kleiner Junge Winzer werden.
Das hast du also schon ganz früh in deiner Jugend gespürt: Das ist mein Ding.
Ich wollte wirklich nie etwas anderes werden.
Ich finde es großartig, wenn Leute direkt ihrer Passion folgen, denn dabei kommen meistens die besten Ergebnisse heraus. Es gibt ja auch Winzer, die sagen: Das war bei mir überhaupt nicht so.
Und ich hoffe, du schmeckst das, dass das meine Passion ist.
Viereinhalb Hektar Schiefersteillage in Osann-Monzel
Wie viele Hektar bewirtschaftest du?
Viereinhalb Hektar, überwiegend Flaschenweinverkauf an Endkunden. Mosel, Osann-Monzel, klassische Schiefersteillage: Da wächst unser Riesling. Dazu kommen ein paar Flachlagen für die Burgunder-Rebsorten, die immer mehr nachgefragt werden. Aber der Riesling aus der Steillage ist meine Passion an der Mosel.

Riesling vom Schiefer, Kabinett, Rosé: drei Weine, die du probiert haben musst
Wenn ich dich jetzt ganz dreist frage, ich kenne dein Weingut ja nicht: Welche drei Weine von dir muss man unbedingt getrunken haben, um einen guten Einblick in deine Arbeit zu bekommen? Den Riesling habe ich eben schon herausgehört, aber sag es einmal in Kürze: drei Weinempfehlungen von dir und warum.
Auf jeden Fall den trockenen Riesling. Bei uns trägt er den Zusatz „vom Schiefer“, weil alle unsere Rieslinge auf dem Schieferboden gewachsen sind. Da schmeckt man wirklich die pure Mosel: eine schöne Säurestruktur, die von der Mineralik des Schiefers abgepuffert wird. Das ist, ich sage mal ganz frech, wirklich einzigartig für uns an der Mosel, im Vergleich zu den anderen Anbaugebieten deutschlandweit oder auch weltweit.
Darf ich kurz dazwischenfragen? Du hast gerade gesagt: der Riesling trocken. Ich kenne ganz viele Rieslinge, die feinherb oder halbtrocken ausgebaut sind. Mir sind die meistens einen Ticken zu süß. Ich stehe auf trockene Weine. Wie ist das bei euch im Absatz: Geht der trockene Riesling sehr gut oder fragt die Kundschaft auch viel nach feinherb?
Bei uns gehen trocken und feinherb am besten. Lieblich wird gefühlt immer weniger, kann ich aber auch vielen empfehlen und trinke ich selbst ganz gern. Zum Beispiel das Riesling Kabinett, das wäre dann der zweite Wein, den ich empfehlen würde.
Und die dritte Weinempfehlung von dir?
Da etwas Feinherbes: Wir haben einen ganz tollen Spätburgunder Rosé. Der bringt wirklich Farbe in den Sommer und Farbe auf die Terrasse. Den kann man einfach gut gekühlt so wegschlürfen.
1. Riesling „vom Schiefer“ trocken
Die pure Mosel im Glas: feine Frucht und eine lebendige Säure, die von der Mineralität des Schiefers abgepuffert wird, dazu ein dezent salziger Abgang. Alle Rieslinge des Weinguts wachsen auf Schieferboden, dieser hier zeigt, was die Steillagen können.
2. Riesling Kabinett Brauneberger Juffer
Jans Empfehlung für alle, die es fruchtsüß mögen: reifer Pfirsich und Aprikose aus der berühmten Lage Brauneberger Juffer, feine Fruchtsüße bei nur 7,5 Prozent Alkohol. Gut gekühlt auf der Terrasse oder zu allem, was ein bisschen Schärfe hat.
3. Spätburgunder Rosé feinherb
Farbe für die Terrasse: Erdbeere, Himbeere und eine überraschende Note reifer Banane, saftig und feinfruchtig mit dezenter Süße. Der Wein für sonnige Nachmittage und laue Sommerabende.
Gut gekühlt auf die Terrasse: wann Kabinett und Rosé am besten schmecken
Bleiben wir kurz beim Riesling Kabinett: Wann trinkt man den, also etwas Süßes? Einfach als Terrassenwein?
Absolut, gut gekühlt auf der Terrasse. Oder zu einem richtig schönen Curry oder etwas Thailändischem: Bei allem, was ein bisschen Schärfe hat, ist der Kabinett wirklich schön erfrischend. Das passt richtig gut. Und auch zu Fisch schmeckt er.
Und der Spätburgunder Rosé? Gestern war hier auf dem Weinsommer ja Tag des Rosés, da ist der wahrscheinlich ziemlich gut weggegangen.
Genau, wir wurden auch zur Verkostung ausgestellt.
Weinprobe im Wohnzimmer: Liefertouren, Ferienwohnungen und Online-Shop
Das waren drei schöne Empfehlungen. Was kann ich tun, wenn ich aus Hannover komme und euren Wein trinken will? Ich kann zum Weinsommer gehen, da seid ihr vertreten: nicht nur in Hannover, sondern auch in vielen anderen Städten. Euer Veranstaltungskalender reicht ja von Weinmessen in München und Berlin über Weinfeste von Wedel bis Köln bis zur Mythos Mosel direkt vor eurer Haustür.
Ja, wir sind eigentlich deutschlandweit unterwegs. Wenn wir unterwegs sind, können wir auch gern eine Weinprobe vor Ort anbieten: Wir fahren Liefertouren und da bietet sich abends immer ein Timeslot an, in dem man eine schöne Weinprobe beim Kunden zu Hause machen kann, direkt im Wohnzimmer oder auf der Terrasse. Oder ihr kommt uns an der Mosel besuchen: Wir haben Ferienwohnungen und dann machen wir abends eine schöne Weinprobe oder eine Planwagenfahrt.
Noch einmal für alle zum Mitnehmen: Ihr habt Ferienwohnungen, laut eurer Website in einem eigenen Gästehaus in Südlage, mit Balkonblick über die Mosellandschaft. Und habt ihr auch Stellplätze für Wohnmobile? Ich habe gelesen, dass viele Weingüter so etwas anbieten. Ich habe zwar kein Wohnmobil, aber der eine oder andere hat ja vielleicht eins.
Wir haben einen großen Hof mit einem großen Parkplatz, da ist auf jeden Fall auch Platz für ein Wohnmobil. Einen offiziellen Stellplatz haben wir nicht. Aber zur Weinprobe, zur Weinabholung oder für eine Übernachtung, auch mal zwei, drei, vier Nächte, ist das gar kein Problem.
Richtig cool. Ich kann also bei euch übernachten, eine Planwagenfahrt machen, eine Weintour quer durch den Weinberg. Gibt es auch Restaurants, in denen ich euren Wein finde?
Ja, bei uns in der Nachbarstadt Bernkastel-Kues, die kennen wahrscheinlich einige, sind wir in der Gastronomie ein bisschen vertreten. Ansonsten richtet sich unser Verkauf wirklich an die Endkunden.
Das heißt, wenn ich aus Hannover komme, ist der Online-Shop logischerweise meine erste Anlaufstelle, wenn ich Nachschub für zu Hause brauche. Da habe ich bei euch einiges gesehen: Riesling vom Hochgewächs über Kabinett und Spätlese bis zur Auslese, dazu Secco, alkoholfreier Riesling, sogar Obstbrände und Liköre.
Genau. Da kannst du dir auch einfach ein Probierpaket mit den Weinen zusammenstellen, die du von uns probieren möchtest. Die passenden Weinempfehlungen für den gemütlichen Abend zu Hause lege ich dir dann dazu.
Welche Abnahmemenge brauche ich denn, damit du persönlich vorbeikommst? Du hast ja eben gesagt, du machst auch Weintouren.
Wenn es auf der Route liegt, bringe ich es dir auch für zwei Flaschen vorbei. Wenn es 50 Kilometer hinten links liegt, dann sage ich mal: drei, vier Kartons, das ist dann kein Problem.

Familienbetrieb ohne Fremdarbeitskräfte: Eltern, Onkel, Tante und Freunde
Noch einmal ganz zurück zum Anfang: Du hast das Weingut von deinem Onkel übernommen. Unterstützt dich dein Onkel aktuell noch?
Ja, absolut. Und meine Eltern helfen mir.
Deine Eltern helfen dir auch? Ich dachte, die hatten kein Weingut.
Genau, die hatten kein Weingut, aber die sind tatkräftig mit dabei und helfen mir. Mein Onkel und meine Tante unterstützen mich außerdem sehr stark im Gästehaus und bei der Vermarktung. Das ist wichtig bei uns: Wenn jemand in Bernkastel in der Gastronomie den Wein trinkt und sonntagmorgens vorbeikommt, muss natürlich jemand zu Hause sein. Ich bin im Sommer sehr viel unterwegs, da brauche ich einfach diesen Background, der mir hilft. Dazu kommen Freunde und Bekannte, die mit mir auf die Weinfeste fahren. Ansonsten haben wir keine Fremdarbeitskräfte, das ist alles aus meiner Hand.
Und die Lese macht ihr auch selbst?
Ja, zum Teil per Hand mit Freunden und Familie oder auch maschinell.
Die steht ja jetzt quasi vor der Tür.
Ja, in vier Wochen sind wir voll drin. Mitte September geht es los.
Ich drücke die Daumen! Vielen lieben Dank noch einmal für das Gespräch, ich fand es sehr aufschlussreich. In dem Sinne: Prost!
Danke!



Riesling „vom Schiefer“ trocken
Die pure Mosel: feine Frucht, lebendige Säure und salzige Schiefermineralität aus der Steillage.

Riesling Kabinett Brauneberger Juffer
Fruchtsüßer Moselklassiker mit Pfirsich und Aprikose bei nur 7,5 Prozent Alkohol: erfrischend zu allem mit Schärfe.

Spätburgunder Rosé feinherb
Erdbeere, Himbeere und reife Banane: der gut gekühlte Terrassenwein für den Sommer.
Weitere Weingüter
Ein Kindheitstraum an der Mittelmosel: das Weingut Jan Bollig in Osann-Monzel
Jan Bollig hat das Weingut seines Onkels in Osann-Monzel übernommen, in direkter Nachbarschaft von Bernkastel-Kues an der Mittelmosel. Sein Anspruch: die lange Tradition des Weinbaus an der Mosel fortführen, Althergebrachtes mit modernen, frischen Ideen verbinden und aus vollreifen Trauben exzellente Moselweine machen. Auf 4,5 Hektar steht vor allem Riesling in klassischer Schiefersteillage, die Burgundersorten wachsen in Flachlagen.
Probieren kannst du die Weine im Online-Shop mit Probierpaket und persönlicher Empfehlung oder auf Veranstaltungen in ganz Deutschland. Wer das Weingut Bollig besucht, kann in den Ferienwohnungen des Weinguts übernachten.
Weingut Jan Bollig
Zum Rosenberg 25
54518 Osann-Monzel
Website: https://weingut-jan-bollig.de/
Rebfläche: 4,5 Hektar
Besonderheit: Riesling aus klassischer Schiefersteillage, Weinproben beim Kunden zu Hause, Ferienwohnungen mit Moselblick. Jan hat das Weingut von seinem Onkel übernommen und führt es als Familienbetrieb ohne Fremdarbeitskräfte.







