Weingut

F. Gödert


Familienweingut in Osann-Monzel, Mosel:
Fünf Generationen, sechs Rebsorten und ein 1953er im Keller

Beim Weingut F. Gödert in Osann-Monzel an der Mosel ist die Nachfolge gesichert: Bartlomiej „Bartek“ Chachula, 28, hat nach Work and Travel in Australien und einem Biologiestudium in Köln beschlossen, das Familienweingut weiterzuführen. Gerade macht er seine Ausbildung zum Weintechnologen. Im Interview erzählen er und seine Mutter Agnes, warum ihr Weinstand zum Treffpunkt im Dorf geworden ist, wie ein Umweg über die andere Seite der Welt den Blick auf die Heimat verändert hat und weshalb im Keller noch rund 150 Flaschen aus dem Jahr 1953 liegen.

Weingut Gödert - Winzerfamilie

Über Australien und Köln zurück an die Mosel

Zu den tausend Wegen: Ich bin tatsächlich auch schon ein paar davon gegangen. Ich hatte keinen geraden Weg, ich bin ja auch schon ein bisschen älter, also 28. Nach dem Abitur habe ich klassisch Work and Travel in Australien gemacht, bin zurückgekommen und habe erstmal ein Jahr hier gearbeitet. Dann habe ich gesagt: Okay, ich gehe studieren. Das Weingut stand bei mir immer im Hintergrund. In einem Familienbetrieb hilft man immer mit, man ist immer da, das ist auch schön. Aber ich habe mich da damals nicht gesehen. Deshalb habe ich mich für ein Biologiestudium entschieden, habe in Köln studiert und das Studium auch abgeschlossen.

Im Studium selbst ist mir dann aufgefallen: Dieses ganze Uni-Leben, nur an der Uni zu arbeiten, ist nichts für mich. Meine Eltern haben mir immer in Aussicht gestellt: „Hör mal Bartek, das Ding ist da. Du kannst gerne weitermachen.“ Irgendwann kam dann der Gedanke, wurde immer fester, immer ernster, bis ich gesagt habe: Okay, ich mache jetzt meinen Abschluss fertig, damit ich wenigstens etwas in der Hand habe. Alles andere wäre vergeudete Zeit gewesen. Nach dem Studium bin ich 2024 wieder in die Heimat gezogen und habe im vergangenen August eine Ausbildung zum Weintechnologen angefangen.

Wenn meine Eltern mich lassen mit dem Übernehmen, mache ich das sehr gerne. Aber das ist wie bei jedem Familienbetrieb: Man kommt aneinander, es gibt verschiedene Meinungen, die Generationen haben verschiedene Gedanken. Mein Vater sagt dann immer: „Wir machen das jetzt so, weil wir es immer so gemacht haben.“ Und ich habe dann nochmal eine andere Idee. Ob die besser oder schlechter ist, sei mal dahingestellt. Wir haben beide eine gewisse Beratungsresistenz, ich bin da ein bisschen starrköpfig. Aber es funktioniert schon.

Ich mache also die Ausbildung und helfe nachmittags oder am Wochenende bei meinen Eltern, wann immer Zeit ist. Es wird ja auch mein Baby sein. Es ist in meinem eigenen Interesse, dass alles gut läuft und ich mich so gut eingearbeitet habe, dass ich keine Probleme habe, wenn meine Eltern irgendwann sagen: „Okay Bartek, du machst das jetzt.“ Ich komme ja nicht mit null Erfahrung rein, als Familienweingut kennt man das alles schon. Die Ausbildung mache ich vor allem, um ein tieferes Verständnis für alles zu bekommen.

Wir machen gerade dreieinhalb bis knapp vier Hektar. Einiges davon ist gepachtet, einiges in Besitz, ein guter Mischmasch.

Weinlese beim Weingut F. Gödert

Ein Weinstand als Treffpunkt im Dorf

Ich glaube, bei uns steht die Gastfreundlichkeit ganz weit oben. Die Weine sind super, klar, aber das sagt jeder Winzer, da braucht man sich nichts vorzumachen. Wir haben einen Weinstand direkt neben dem Haus, mittlerweile in der vierten Saison. Das hat ganz einfach angefangen: Wir hatten noch einen richtig alten Weinstand im Lager. Meine Mutter hat ihn gesehen und gesagt: „Wir müssen das Ding jetzt aufbauen, da führt kein Weg dran vorbei.“ Mein Vater meinte noch: „Lass das mal.“ Zum Glück hat sich meine Mutter durchgesetzt.

Mittlerweile sind wir bei uns in Monzel eine kleine Instanz, ein sozialer Treffpunkt, zu dem die Leute gerne kommen. Auch wegen meiner Mutter, Stichwort Gastfreundlichkeit. Wir machen immer wieder Feste, nichts allzu Großes: ein Hoffest, ein Adventsfest, das sind die zwei großen Sachen. Und wir betreiben eine Ferienwohnung. Unsere Feriengäste sind jedes Mal begeistert und kommen immer wieder.

Nicht so bekannt, wie man es gerne hätte, aber wir sind nicht ganz unbekannt. Wir tun auch einiges dafür. Wir haben zum Glück die Möglichkeit, so etwas zu betreiben. Nicht jeder Winzer hat die Ressourcen für eine Ferienwohnung oder einen Weinstand. Wenn man fast jedes Wochenende dafür opfert, einen Weinstand aufzubauen, ist das eben Selbstständigkeit: Man ist immer selbst und ständig. Das ist der Preis, den man zahlt. Aber wir machen das gerne.

Weinstand vom Weingut F. Gödert an der Mosel
Weinstand vom Weingut F. Gödert an der Mosel

Sechs Rebsorten auf vier Hektar

Wir müssten sechs Rebsorten haben: Riesling, Kerner, Müller-Thurgau, dazu Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder.

Man nimmt das Beste mit, was man aus dem Boden rausholen kann.

Mit Holz arbeiten wir nicht. Das ist keine bewusste Entscheidung dagegen, es hat sich einfach nie so ergeben. Aber mal gucken, wo die Zukunft hinführt. Ich habe da auf jeden Fall Ideen, was ich machen möchte. Das muss ich dann noch mit den Eltern abklären, mal sehen, ob es mir vergönnt wird.

Weinprobierstube, Vinothek und das Weinfest der Mittelmosel

Weinproben machen wir bei uns im Haus, in unserer Weinprobierstube, oder bei gutem Wetter gerne am Weinstand, da ist es ein bisschen luftiger. Außerdem sind wir in Bernkastel-Kues in der Vinothek vertreten, mit zwei Weinen: der Riesling Spätlese und einer Trockenbeerenauslese. Dort kann man sich durch rund 200 verschiedene Weine probieren, das lohnt sich auf jeden Fall. Und Bernkastel-Kues an sich ist eine wunderschöne Stadt.

Wir arbeiten gerade noch an unserer Website, das ist ein bisschen schwierig, wenn man keine Ahnung von Webdesign hat. Aber da sind wir hinterher. Bis dahin meldet man sich einfach per Telefon oder E-Mail, wir sind auch bei Google gelistet. Da geht immer jemand dran und man wird freundlich beraten. Und ja, wir versenden unseren Wein auch.

Auf Weinmessen sind wir noch nicht vertreten. Da würde ich mich in Zukunft gerne hin entwickeln, einfach um den Leuten unseren Wein näherzubringen. Ansonsten sind wir auf dem Bernkasteler Weinfest, dem Weinfest der Mittelmosel, das jedes Jahr Anfang September stattfindet. Da ist jedes Mal richtig was los: Feuerwerk, viel Essen, viele Leute. Das ist auf jeden Fall einen Ausflug wert, wenn man die Gegend erleben möchte. Neben dem Wein bietet die Mosel ja auch wunderschöne Panoramen.

Weinberge an der Mosel - Weingut F. Gödert
Weinberge an der Mosel – Weingut F. Gödert

„Hier lebe ich, da wo andere Leute Urlaub machen“

Als ich damals aus Australien zurückgekommen bin, sind wir von Frankfurt nach Hause gefahren. Als wir an die Mosel kamen, habe ich gesagt: „Könnt ihr mal kurz anhalten?“ Bin ausgestiegen und dachte nur: Wie schön ist das denn hier? In Australien sieht es je nach Gegend auch krass aus, ich konnte da einiges mitnehmen. Aber den richtigen Flash hatte ich, als ich nach längerer Zeit wieder in die Heimat kam und mir dachte: Hier lebe ich, da wo andere Leute Urlaub machen. Da waren einfach erst 16.000 Kilometer Entfernung nötig.

Man darf sich bei aller Romantik auch nichts vormachen: Das ist ein harter Job. Vor allem als Familienbetrieb, wenn man kein riesiges Team hinter sich hat, keine eigenen Leute für Marketing, für den Weinberg, für den Keller. Man hat als Mensch leider nur zwei Hände und der Tag hat nur 24 Stunden. Gerade im Herbst, wenn die heiße Phase kommt, denke ich manchmal: Fünf, sechs Stunden nur für den Schlaf wären schön, aber das gibt der Tag nicht her. Egal, was das Wetter sagt, gewisse Arbeiten müssen dann gemacht werden, wenn sie gemacht werden müssen. Der Wein wartet nicht. Wer das verpasst, läuft Gefahr, dass das Produkt am Ende nichts wird.

Aber umso schöner ist es, wenn der Wein fertig ist und man mit einem Glas dasteht und sich denkt: Das sind die Früchte meiner Arbeit. Es schmeckt einfach und es macht Spaß, den Leuten diesen Geschmack zu bieten. Es gibt deutlich einfachere Arbeiten und auch Arbeiten, die besser bezahlt werden. Aber es ist eine Leidenschaft, es ist das Herzblut, das in einem steckt. Wenn man bereit ist, das zu machen, trotz aller Konflikte und Probleme, die das Weingeschäft mit sich bringt, dann macht es trotzdem Spaß. Ich freue mich darauf. Und ich glaube, meine Eltern sind auch ganz froh, dass ich das mache.

Keller des Weinguts F. Gödert

Fünf Generationen und ein Schatz von 1953

Mir bekannt sind fünf Generationen. Wahrscheinlich sind es sogar sechs oder sieben. Aber irgendwann war Napoleon hier und aus der Zeit davor gibt es keine Unterlagen mehr.

Ja, ich habe von meinem Großvater noch Wein im Keller liegen, circa 140 bis 150 Flaschen, ein 1953er. Der ist noch total genießbar. Ich habe letztens eine Flasche aufgemacht und war erstaunt, wie gut er noch trinkbar ist. Der Korken war super, die Farbe hat sich wunderbar entwickelt. Bei der Lagerung von Weißwein über so lange Zeit oxidiert er ein bisschen, das ist auch gewollt. Damals wurden die Weine noch nicht entsäuert, sondern mit voller Säure gefüllt. Deshalb sind sie so haltbar.

Ja, das ist schon eine Rarität.

Weinempfehlungen: Drei Weine, um Gödert kennenzulernen

1. Riesling trocken

Erstmal der Riesling, weil der Riesling einfach der Moselwein ist, da kommt man nicht drum rum. Wenn man irgendwo im Ausland fragt, was typisch deutsch im Bereich Wein ist, wird fast jeder Riesling sagen. Vor allem bei uns an der Mosel schmeckt er besonders gut und besonders vielfältig: Durch die Moselschleifen gibt es unzählige Lagen, die alle ihren eigenen Charakter in den Riesling bringen. Den Boden und die ganze Arbeit schmeckt man einfach. Unser trockener Riesling ist sehr schieferbetont, man schmeckt die Mosel-Mineralität. Er ist trocken ausgebaut, hat aber dennoch eine leichte Fruchtigkeit. Viele scheuen ja vor dem Riesling zurück, weil er ihnen zu sauer ist. Bei unserem haben wir da gar keine Probleme: Restzucker und Säure sind so schön eingebettet, dass ihn eigentlich jeder gerne trinkt.

2. Rivaner feinherb

Der Rivaner ist einfach schön: ganz leicht, ganz wenig Säure, ein richtiger Sommerwein. Für alle, die einen Weißwein mit wenig Säure suchen, ist er deutlich zugänglicher. Der Rivaner läuft in Deutschland auch unter dem Namen Müller-Thurgau. Wir haben uns für den Namen Rivaner entschieden, auch durch die Nähe zu Luxemburg. Und es klingt einfach ein bisschen besser. Mit rund 20 Gramm Restzucker ist er feinherb ausgebaut und dadurch schön ausbalanciert.

3. Riesling Spätlese lieblich

Unsere Riesling Spätlese ist lieblich ausgebaut. Das Witzige ist: Süße Rieslingweine haben auf dem Papier meistens mehr Säure, als man glaubt. Die Süße bettet die Säure ein, aber rein von den Werten hat so eine Spätlese mehr Säure als ein trockener Wein. Die Spätlese ist super fruchtig und bringt den Rieslingcharakter richtig raus. Im Keller haben wir aus den verschiedenen Lagen verschiedene Proben und mischen sie so, dass wir das Beste aus dem Riesling rausholen. Die gelingt bei uns jedes Jahr.

Wein vom Weingut F. Gödert
Logo - Weingut F. Gödert
Riesling trocken - Weingut F. Gödert

Riesling trocken

Schieferbetont und mineralisch, mit leichter Fruchtigkeit: der Signature-Wein von der Mosel.

Rivaner feinherb - Weingut F. Gödert

Rivaner feinherb

Ganz leicht, ganz wenig Säure: der Sommerwein mit rund 20 Gramm Restzucker.

Riesling Spätlese lieblich - Weingut F. Gödert

Riesling Spätlese lieblich

Super fruchtig, mit fein eingebetteter Säure: auch in der Vinothek Bernkastel-Kues vertreten.

Weitere Weingüter

Ein Weingut mit gesicherter Zukunft

Ein Weinstand, der zum Dorftreffpunkt wurde, sechs Rebsorten auf knapp vier Hektar und ein Nachfolger, der für das Weingut ein Biologenleben aufgegeben hat: Beim Weingut F. Gödert in Osann-Monzel trifft Mosel-Tradition auf frische Ideen.

Wer vorbeischaut, wird von der Familie herzlich empfangen. Und womöglich vom Jack Russell Terrier lautstark begrüßt.

Weingut F. Gödert
Forstweg 5
54518 Osann-Monzel

Website: https://shop.weingut-goedert.de
Rebfläche: knapp 4 Hektar
Besonderheit: Familienweingut in mindestens fünfter Generation mit Weinstand, Ferienwohnung und eigener Weinprobierstube. Im Keller lagern noch rund 150 Flaschen vom Jahrgang 1953.