Weingut

Gutgallé


Zwei Brüder, 18 Hektar bio und ein Silvaner mit Kunstfreiheit.
Getroffen haben wir Jonathan Gallé auf dem Weinsommer in Hannover.

Sein Vater hat Winzer gelernt, doch den elterlichen Betrieb übernahm der Zwillingsbruder. Also kaufte Klaus Gallé 1995 ein eigenes Weingut in Flonheim. Heute führen seine Söhne Jonathan und Johannes das Gutgallé in zweiter Generation: 18 Hektar in Rheinhessen, vollständig EU-Öko-zertifiziert und beim Jungwinzer-CUP 2026 der Gourmetwelten als Jungwinzer des Jahres ausgezeichnet.

Jonathan Gallé vom Weingut Gutgallé im Interview

Das Interview im Video

Zwei Brüder, ein Weingut: Winzer in zweiter Generation

Ich muss sagen, das klappt sehr gut. Wir sind mit dem Weinbau aufgewachsen und sind jetzt, wenn man so möchte, Winzer in zweiter Generation. Unser Vater hat das Ganze 1995 gekauft. Er hatte ursprünglich Winzer gelernt, aber den elterlichen Betrieb hat sein Zwillingsbruder übernommen, im gleichen Ort. Dann war er lange Zeit außerhalb der Branche tätig und ist am Ende zurück zum Weinbau, weil er gesagt hat: Ich vermisse es, ich möchte mein eigenes Weingut aufmachen. In den 90ern standen viele Weingüter zum Verkauf, da hat er die Chance genutzt.

Gutgallé in Rheinhessen
Gutgallé in Rheinhessen

Von Anfang an mit im Weinberg. Ein paar Kindheitserinnerungen sind zum Beispiel die Weintouren mit Papa: Da sitzt man als kleiner Stüppi auf dem Beifahrersitz und fährt durch halb Deutschland.

Genau, die sind noch aktiv mit dabei. Unsere Mutter macht das Büro. Papa ist draußen im Außenbetrieb dabei und teilweise auch noch im Keller, wenn es wirklich brennt. Ansonsten machen wir zwei Keller, Vertrieb, Außenbetrieb, was so anfällt.

18 Hektar bio zwischen Flonheim-Uffhofen und Badenheim

Aktuell sind wir bei 18 Hektar, vollständig biologisch zertifiziert bewirtschaftet, also EU-Öko-zertifiziert.

Genau. Wir haben nur noch ein paar ältere Weine aus der Umstellungsphase auf der Karte, die sind noch nicht vollständig zertifiziert. Deswegen steht auf der Karte auch nicht Bio dahinter.

Was unsere Weine besonders macht, ist zum einen die Spannbreite der Böden. Wir haben Weinberge in Flonheim-Uffhofen und dann rüber bis nach Badenheim, das sind knappe 13, 14 Kilometer. Dadurch haben wir eine relativ schöne Spannbreite, was das Terroir angeht. Zum anderen hat Papa schon früh gesagt: Ich will mich fokussieren. Also nicht 50 Rebsorten und 100 Weine auf der Karte, Riesling in trocken, feinherb und edelsüß, sondern kompakt. Und dafür dann alles so gut, wie wir es können.

Aktuell 26, 27. Da sind auch manche doppelt gedacht: einmal Riesling als Ortswein, einmal als Lagenwein, dazu ein Feinherber. Das bietet sich mit unseren Standorten an. Der Lagenwein zum Beispiel steht auf einem relativ seltenen Boden: Rotliegendes, Südhang. Das finde ich super, ein schöner Riesling.

Im Vergleich mit der Mosel auf jeden Fall. Wir sind trotzdem immer noch bei knappen, knackigen sieben Gramm. Wir gucken, dass wir uns nicht nur auf die Zuckerreife konzentrieren, sondern auf die physiologische Reife. Das kann man immer sehr schön am Traubenkern sehen. Und das ist uns fast wichtiger: die physiologische Reife und die Säure, nicht nur die Zuckerreife.

Weingut Gallé in Rheinhessen - Die Spannbreite der Böden prägt die Weine von Gutgallé
18 Hektar zwischen Flonheim-Uffhofen und Badenheim: Die Spannbreite der Böden prägt die Weine von Gutgallé. Der Lagenwein-Riesling wächst auf Rotliegendem am Südhang.

Wöllsteiner Riesling, Furioso, Silvaner: drei Weine, die du probiert haben musst

Was unsere Stilistik ganz gut widerspiegelt und einer meiner absoluten Lieblingsweine auf der Karte ist: der Wöllsteiner Riesling. So stellen wir uns einen knackigen Riesling im Ortswein-Segment vor. Dann hätten wir den Furioso, eine Rotwein-Cuvée. Und die dritte Empfehlung ist für Rheinhessen ein bisschen untypisch, das ist mein Liebling, mein Baby: der Silvaner. Eigentlich eher ein Franken-Ding.

1. Wöllsteiner Riesling Bio

Knackiger Ortswein und einer von Jonathans absoluten Lieblingsweinen: reifer Weinbergs-Pfirsich, Zitrusfrüchte und etwas Holunderblüte in der Nase, am Gaumen cremig und saftig mit würzigem Abgang. So stellt sich das Gutgallé einen Riesling vor.

2. Furioso

Die Rotwein-Cuvée, an der zu dritt nach Feierabend getüftelt wird: 60 Prozent Cabernet, klassische Maischegärung, gereift in Barrique und Tonneau. Hochreife Früchte, Cassis, etwas Thymian, Vanille und ein Hauch Schokolade im Abgang. Passt zu Ente und Wild.

3. Flonheimer Rotenpfad Silvaner

Jonathans Baby: Lagenwein mit sehr geringem Ertrag, jedes Jahr anders ausgebaut. Der aktuelle Jahrgang zeigt tropische Frucht von Ananas bis Honigmelone, feinwürzig, saftig und komplex. Für Rheinhessen eher untypisch, genau das macht ihn spannend.

Abends wird cuvetiert: Maischegärung, Barrique und Tonneau

Da ist auch mal ganz cool: Wir sitzen dann zu dritt da und cuvetieren abends vor uns hin. Wir haben immer die Grund-Cuvée stehen, dazu ein paar Notizen aus dem letzten Jahr und versuchen, das weiterzuentwickeln. Jeder erst ein bisschen für sich, dann werden die Ergebnisse probiert. Das macht, auf jeden Fall mir, unheimlich viel Spaß.

Da geht auch richtig Zeit ins Land. Das ist dann jeden Abend nach Feierabend: Wir sitzen da, man guckt nicht so genau auf die Uhr, schwupps ist es 10, 11 und man denkt sich: Wo ist die Zeit hin? Aber das Ergebnis ist es immer wert. Also die 60 Prozent Cabernet, die unterschiedlichen Weine, die unterschiedlichen Fässer.

Genau, klassische Maischegärung bei allem, was wir mit Rotwein machen, gelagert im Barrique. Und bei den Barriques haben wir eine gewisse Spannbreite drin: nicht nur bei den Rebsorten, sondern auch bei den Fässern. Da haben wir neue dabei, Zweitbelegungen, Drittbelegungen.

Teilweise auch Tonneaus. Es kommt immer darauf an. Beim Cabernet zum Beispiel habe ich einen Teil im Tonneau und einen Teil im Barrique und gucke dann, wie sich das Ganze ausgeht: zum einen von den Mengen her, zum anderen danach, was ich erreichen möchte. Bei den Barriques kaufe ich öfter auch mal welche mit einer bisschen stärkeren Toastung, wenn ich sage: Das könnte als Nuance ganz gut passen.

Ja, auf jeden Fall. Wir haben im Prinzip in jeder Ecke der Qualitätspyramide einen Rotwein drin, beziehungsweise auch mal zwei. Und uns ist immer wichtig, dass wir wirklich 100 Prozent geben. Der Wein muss für uns das Beste sein, was möglich ist, sonst wird er nicht abgefüllt.

Alle Rotweine von Gutgallé durchlaufen die klassische Maischegärung und reifen im Holz
Barrique und Tonneau, neue Fässer neben Zweit- und Drittbelegung: Alle Rotweine von Gutgallé durchlaufen die klassische Maischegärung und reifen im Holz.

Silvaner: jedes Jahr ein anderes Gesicht

Ausgebaut ist er als Lagenwein, sehr geringer Ertrag. Und da habe ich viel experimentiert: Ich habe ihn in unterschiedlichen Stilen ausgebaut, weil ich beim Lagenwein keine so große Charge habe. Da kann ich auch mal etwas ausprobieren.

Teilweise habe ich ihn in der Burgunder-Stilistik ausgebaut: BSA gemacht, also biologischen Säureabbau, niedrige Säure, ein bisschen kräftigeres Fass. Dann bin ich leicht auf die amerikanische Schiene gegangen, amerikanische Eiche wegen des leichten Vanilletouchs.

Das ist ja das Schöne: Man hat fast so etwas wie Kunstfreiheit. Im nächsten Jahr habe ich dann gesagt: Fand ich cool, aber vielleicht geht es auch mal wieder in die fruchtige, säurebetonte Richtung, wie ein Riesling. Und das ist dann schon etwas ganz anderes.

Tatsächlich nur den einen.

Manchmal sage ich auch: Das hat mir im letzten Jahr sehr gut gefallen, ich probiere es noch einmal, minimal abgewandelt, ein anderes Fass, eine andere Bâtonnage-Dauer. Der Burgunder-Silvaner ist mir noch gut in Erinnerung geblieben: Den hatte ich so lange auf der Hefe liegen, dass er wirklich schon an der Autolyse-Grenze war. Leichte Brioche-Noten, da habe ich gesagt: Der kommt jetzt runter, den steche ich ab. Der ist unwahrscheinlich cremig geworden.

Onlineshop, Hofverkauf und Messen im Norden

Sehr gerne sogar. Bei uns ist nur das Zeitliche immer ein bisschen das Thema, deswegen am besten vorher anrufen. Dann kann man sehr, sehr gerne vorbeikommen. Wenn wir draußen im Weinberg sind, dauert es sonst teilweise 20 Minuten oder eine halbe Stunde, bis wir im Weingut sind, je nachdem, wo wir gerade stehen. Und es ist schade, wenn Leute unnötig warten müssen. Ansonsten sind wir relativ viel auf Messen unterwegs.

Hauptsächlich in Deutschland. Das meiste, was wir verkaufen, wird hier direkt in Deutschland an den Verbraucher verkauft.

Rotwein von Gutgallé
Logo - Gutgallé
Wöllsteiner Riesling Bio - Gutgallé

Wöllsteiner Riesling Bio

Knackiger Ortswein mit Pfirsich, Zitrus und Holunderblüte: so stellt sich Jonathan einen Riesling vor.

Furioso Rotwein-Cuvée - Gutgallé

Furioso Rotwein-Cuvée

Nach Feierabend zu dritt komponiert: Cassis, Vanille und ein Hauch Schokolade aus Barrique und Tonneau.

Flonheimer Rotenpfad Silvaner - Gutgallé

Flonheimer Rotenpfad Silvaner

Jonathans Baby: tropische Frucht, cremig und komplex, jedes Jahr anders ausgebaut.

Weitere Weingüter

Zweite Generation mit Auszeichnung: das Gutgallé in Flonheim

Klaus Gallé hat das Gutgallé 1995 gekauft, nachdem der elterliche Betrieb an seinen Zwillingsbruder gegangen war. Heute führen seine Söhne Jonathan und Johannes das Weingut in zweiter Generation, die Eltern helfen weiter mit: die Mutter im Büro, der Vater draußen und im Keller, wenn es brennt. Bewirtschaftet werden 18 Hektar zwischen Flonheim-Uffhofen und Badenheim, vollständig biologisch (DE-ÖKO-022). Statt 50 Rebsorten gibt es ein bewusst kompaktes Sortiment von rund 26 Weinen, dafür mit einem Rotwein in jeder Ecke der Qualitätspyramide. Beim Jungwinzer-CUP 2026 der Gourmetwelten wurden die Brüder als Jungwinzer des Jahres ausgezeichnet, ihr 2025er Grauburgunder Gutswein war mit 93,5 Punkten der beste Wein des gesamten Wettbewerbs.

Probieren kannst du die Weine im Onlineshop, auf Messen im Norden und im Ruhrgebiet, etwa beim Weinsommer in Hannover und Braunschweig, oder direkt am Weingut in Flonheim: am besten mit kurzem Anruf vorab, denn oft stehen die Brüder gerade im Weinberg.

GUTGALLÉ Rheinhessen
Langgasse 69
55237 Flonheim

Website: https://gutgalle.de/
Rebfläche: 18 Hektar
Besonderheit: Vollständig EU-Öko-zertifiziert, Weinberge von Flonheim-Uffhofen bis Badenheim, Jungwinzer des Jahres 2026 beim Gourmetwelten-CUP