Jonas
Zwei Brüder, zwei Berufe, eine Leidenschaft:
Steffen und Axel Jonas über Rheingauer Riesling, mutige PIWIs und einen Wein, der ihren Vater unvergesslich macht
Im Rheingau, in Eltville am Rhein, führen Steffen und Axel Jonas das Weingut Jonas in vierter Generation. Der eine ist gelernter Winzer und Kellermeister, der andere Land- und Baumaschinenmechaniker und Weinbergsmeister. Zwei verschiedene Berufe, eine gemeinsame Berufung, so lautet ihr Motto: zwei Brüder, ein Weingut. Auf rund zehn Hektar wachsen klassischer Riesling, ein früh gepflanzter Souvignier Gris und ein Wein, der dem 2020 verstorbenen Vater Willi gewidmet ist.

Wir wollen ehrliche Weine machen, bei denen man weiß, wo sie herkommen. Wo noch ein Gesicht und eine Geschichte hinter der Flasche stehen.
Steffen und Axel Jonas
Kellermeister trifft Weinbergsmeister
Sie führen das Weingut Jonas heute gemeinsam, als Brüder. Wie kam es dazu, dass Sie beide eingestiegen sind?
Wir sind insgesamt sieben Geschwister und mit der Zeit hat sich einfach herauskristallisiert, dass wir beide das größte Interesse am Weingut haben. Steffen ist gelernter Winzer und bei uns der Kellermeister, er hat Keller und Büro im Griff. Axel ist Land- und Baumaschinenmechaniker und kümmert sich vor allem um die Weinberge und die Technik. Bei ihm reizt die Faszination für die Natur und den Wein genauso wie die Maschinen, die dahinterstehen. So ergänzen wir uns ganz gut.
War für Sie beide früh klar, dass Sie ins Weingut gehen oder hat sich das erst mit der Zeit entwickelt? Gerade als junger Mensch hat man heute ja viele Möglichkeiten.
Bei uns war das eigentlich früh klar. Man wächst da so hinein und hatte schon als Kind Spaß an der Sache. Andere entscheiden sich erst spät dafür, bei uns kam die Begeisterung von ganz allein.
Zwei Brüder, die sich einen Betrieb teilen: Wie teilen Sie die Aufgaben im Alltag auf, damit es gut funktioniert?
Die wichtigen Dinge entscheiden wir gemeinsam, was am Ende auf die Flasche kommt zum Beispiel. Aber jeder hat seinen Bereich: Steffen ist im Keller federführend, Axel in den Weinbergen und in der Werkstatt. Durch den engen Austausch kann trotzdem jeder von uns die Kunden beraten. Unsere übrigen Geschwister helfen ab und zu am Weinstand aus, bei der Lese sind sie aber nicht dabei.

Drei Weine, die man von Jonas probiert haben muss
Bevor wir tiefer in Ihre Weinberge einsteigen, würde ich gern wissen, was am Ende ins Glas kommt. Angenommen, ich kenne das Weingut Jonas noch gar nicht: Welche drei Weine muss ich von Ihnen probiert haben?
Da würden wir auf jeden Fall mit dem „Prima Noctis“ Riesling anfangen, das ist das Flaggschiff vom Weingut. Dazu unseren Souvignier Gris, den wir „Der Vielfältige“ nennen. Und als dritten „Der Unvergessliche“, eine restsüße Riesling Auslese mit einer ganz besonderen Geschichte.
1. Prima Noctis Riesling
Den „Prima Noctis“ Riesling gibt es seit dem Jahrgang 2007. Er wächst auf unserem ältesten Weinberg, auf einem Seitenarm des Taunus, direkt am Wald. Diese Lage ist im Rheingau fast einmalig, dieses Stück haben nur wir. Das Klima und der alte Rebbestand machen ihn aus: ein kräftiger, mineralischer Riesling mit reifer gelber Frucht. Und mit gut zehn Euro ist er für die Qualität fair im Preis.
Würden Sie Ihren Prima Noctis blind aus anderen Rieslingen heraus schmecken?
In unserem eigenen Portfolio auf jeden Fall. Gegen Weine von Top-Kollegen, die ähnlich ausbauen, wäre es allerdings zu hoch gegriffen zu behaupten, man schmeckt ihn hundertprozentig heraus.
2. Souvignier Gris „Der Vielfältige“
„Der Vielfältige“ ist ein Souvignier Gris, also eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte, ein sogenannter PIWI.
Bei uns trägt jeder Wein seinen eigenen Namen, das zeichnet uns ein bisschen aus. Auf dem Etikett bilden wir immer die Traube ab, damit man sieht, wie sie wirklich aussieht. Der Souvignier Gris geht geschmacklich in die Burgunder-Richtung, ist aber etwas fruchtiger als ein Grauburgunder. Wir haben ihn 2019 angelegt und waren damit hier eine der Ersten.
3. Riesling Auslese „Der Unvergessliche“
Der Unvergessliche ist eine restsüße Riesling Auslese und er ist unserem Vater gewidmet. Er ist 2020 gestorben und wir haben mit der Auslese angefangen, weil so ein Wein durch seine Langlebigkeit in Erinnerung bleibt, so wie unser Vater. Der Riesling hat zum Glück auch bei viel Restsüße genug Säure. Dadurch ist der Wein zwar süß, aber nie pappig, sondern bleibt elegant und macht Spaß zu trinken.

Vier Generationen Rheingau: vom Fuhrunternehmen zum Weingut
Der Unvergessliche führt mitten in Ihre Familiengeschichte. Wie weit reicht die zurück?
Ziemlich weit. Unsere Familie ist schon im frühen 19. Jahrhundert urkundlich erwähnt, damals waren unsere Vorfahren Fuhrleute und Weinbauern zugleich, neben dem Weingut gab es also ein Transportunternehmen. Den eigentlichen Grundstein fürs Weingut hat 1925 Johann Jonas gelegt. Unsere Großeltern Otto und Inge haben zunächst noch die Spedition weitergeführt, aber ihr Herz schlug bald für den Weinbau und eine Straußwirtschaft. Richtig zum Vollerwerbsweingut entwickelt haben es dann unsere Eltern, Willi und Silvia. Heute sind wir die vierte Generation.
Ihr Urgroßvater und Ihr Großvater hatten also noch das Transportunternehmen. Wann wurde der Wein zur Hauptsache?
Früher lief der Weinbau immer nebenher. Schon der Urgroßvater hatte zwar Wein auf der Flasche, aber hauptberuflich war er anderweitig tätig und dazu kam die Spedition. Unser Großvater ist noch Lkw gefahren, dann hat sich das Transportgeschäft irgendwann nicht mehr gelohnt und wurde nach und nach eingestellt. Unsere Eltern haben ab 1973 ganz auf den Weinbau gesetzt, im Vollerwerb und nebenbei sieben Kinder großgezogen.

PIWI im Rheingau: Pionierarbeit mit pilzwiderstandsfähigen Reben
Sie waren mit dem Souvignier Gris einer der Ersten in der Region. Was hat Sie an diesen pilzwiderstandsfähigen Reben gereizt?
Wir haben den Souvignier Gris 2019 angelegt, nachdem wir ihn beim Rebzüchter probiert hatten. Geschmack und Aussehen im Weinberg haben uns sofort überzeugt. Er hat eine extrem dicke Beerenschale, dadurch haben wir kaum Probleme mit Botrytis, also mit Fäulnis, weil die Haut nicht so schnell platzt wie beim Riesling.
Heißt das, Sie brauchen für diese Reben weniger Pflanzenschutz?
Bei den Pilzkrankheiten auf jeden Fall. Die ersten und die letzten Spritzungen kann man wirklich einsparen. In der empfindlichen Zeit rund um die Blüte brauchen aber auch die PIWIs Pflanzenschutz, schon damit die Pilzsporen nicht irgendwann die Resistenz knacken.
Wie reagieren Ihre Kunden auf eine so neue Rebsorte? Müssen Sie viel erklären?
Die Kunden an den Weinständen sind eigentlich sehr aufgeschlossen und die PIWI-Sorten sind mittlerweile so bekannt, dass kaum noch jemand überrascht ist. Am Ende entscheidet ohnehin der Geschmack: Wenn es schmeckt, kommt man wieder.
Bleibt es bei dem einen PIWI oder planen Sie weitere neue Sorten?
Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren noch eine Sorte anlegen. Bei Weiß denken wir an eine Aromasorte oder eine Riesling-Alternative, es gibt inzwischen PIWIs, die dem Riesling geschmacklich nahekommen. Und vielleicht etwas Rotes, auch mit Blick auf Traubensaft.
Sie sprechen Traubensaft an. Spüren Sie, dass alkoholfreie Alternativen stärker nachgefragt werden, so wie man es überall liest?
Aktiv danach gefragt werden wir an den Weinständen kaum, höchstens für Kinder ist mal etwas Alkoholfreies gefragt. Insgesamt steigt die Nachfrage aber schon leicht an. Deshalb denken wir beim Thema Traubensaft auch über die Zukunft nach, gerade mit Blick auf eine rote PIWI-Sorte.

Vom Zufall zum Lieblingswein: Rotwein und Rotling
Neben den Weißweinen haben Sie auch einen Rotwein, den Prima Noctis Rot. Wie ist der entstanden?
Eher durch Zufall. 2018 war ein außergewöhnliches Jahr, die Spätburgunder-Beeren hingen wunderschön da, wie aus dem Bilderbuch. Für einen normalen Rotwein war uns das fast zu schade, also haben wir etwas Besonderes daraus gemacht. Er hat sich so gut entwickelt, dass er als Prima Noctis Rot ins feste Sortiment gewandert ist. Er wächst in derselben Ecke wie der weiße Prima Noctis. Solche Jahrgänge erlebt man nicht alle paar Jahre und dann entsteht eben etwas Eigenes.
Neben den Weiß- und Rotweinen machen Sie außerdem einen Rotling. Viele kennen den Begriff gar nicht. Was ist das?
Ein Rotling ist eine eigene Weinart, die aus roten und weißen Trauben zusammen entsteht. Es ist die einzige Weinart, bei der weiße und rote Trauben gemeinsam geerntet und gepresst werden. Wir machen ihn klassisch aus Riesling und Spätburgunder. Farblich liegt er zwischen Rosé und Weißherbst, weil der Spätburgunder nicht so farbintensiv ist. Den Rotling gibt es bei uns in feinherb und lieblich. Er ist leicht und fruchtig, ideal für den Sommer und die Terrasse, auch wenn viele Kunden ihn das ganze Jahr trinken. Den machen wir schon fast seit dreißig Jahren, das ist ein echter Selbstläufer.
Willis Weinstand: Wein trinken mittendrin in den Weinbergen
Wenn ich Ihren Wein probieren oder kaufen möchte, wo finde ich Sie?
Der Hauptverkauf läuft ab Hof, dazu kommen Weinstände und Weinfeste in der Region sowie unser Online-Shop. Auf großen Messen sind wir bewusst nicht, wir setzen eher auf die persönliche Begegnung vor Ort.
Sie haben einen Weinstand direkt im Hof, Willis Weinstand. Was macht den besonders?
Den Weinstand haben unsere Eltern 1996 eröffnet, geprägt hat ihn vor allem unser Vater Willi, daher der Name. Wir haben einen großen Hof und vor ein paar Jahren eine Terrasse gebaut, da sitzt man halb in den Weinbergen. Die Leute kommen vorbei, trinken ein Glas Wein, bringen sich teilweise ihr Essen mit. Das schätzen viele, gerade weil es bei uns in der Höhe sonst kaum eine Möglichkeit gibt, einfach Wein trinken zu gehen.
Und wenn der zweite Wein so gut schmeckt, dass man nicht mehr fahren möchte: Kann man bei Ihnen auch übernachten?
Eine eigene Ferienwohnung oder ein Hotel haben wir nicht, aber wir sind mit Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung gut vernetzt. Und wir arbeiten gerade daran, für unsere Kunden eine kleine Campingmöglichkeit zu schaffen.
Kann man bei Ihnen auch feiern?
Ja, bei uns kann man Veranstaltungen machen, viele feiern hier ihren Geburtstag. Und seit Kurzem haben wir auch unsere Veranstaltungsreihe WineHouse, eine Party mit Housemusik.

Nachhaltig im Weinberg, auch ohne Bio-Siegel
Den ökologischen Zielen widmen Sie auf Ihrer Website einen ganzen Bereich. Sind Sie bio-zertifiziert?
Zertifiziert sind wir nicht, aber wir machen sehr viel in diese Richtung. So eine Zertifizierung ist teuer und es dauert drei Jahre, bis man sie wirklich tragen darf. Wir setzen lieber konkret an: Unseren Kompost machen wir zum Beispiel selbst, nach biodynamischen Richtlinien. An den Weinbergen haben wir blühende Vorgewende für mehr Artenvielfalt, eine Streuobstwiese und neu gepflanzte Bäume auf Flächen, die sich nicht wirtschaftlich nutzen lassen. Und wir reduzieren Pflanzenschutz und Düngung auf das Nötigste, zum Schutz unseres wichtigsten Guts, des Bodens.

Das J auf der Flasche: ein Logo mit Bedeutung
Zum Schluss noch eine Frage: Ihr Logo, was steckt dahinter?
Das haben wir vor ein paar Jahren umgestellt, gestaltet hat es unser Bruder. Das J ist die Unterschrift unseres Vaters und das Dreieck stellt eine Traube dar. So tragen wir ihn und die Familie auf jeder Flasche mit.



Prima Noctis Riesling
Das trockene Flaggschiff vom ältesten Weinberg, einem Seitenarm des Taunus direkt am Wald: kräftig und mineralisch, mit reifer gelber Frucht und langem Nachhall.

Souvignier Gris „Der Vielfältige“
Ihr PIWI-Aushängeschild, trocken: facettenreiche Frucht von Apfel und Birne über Mirabelle bis Maracuja, mit milder Säure und zarter Gerbstoffstruktur.

Der Unvergessliche
Restsüße Riesling Auslese, dem Vater gewidmet: gehaltvoll und gradlinig, mit feiner süßer Spitze und unvergleichlichem Nachhall, getragen von lebendiger Rieslingsäure.
Weitere Weingüter
Zwei Brüder, ein Lebenswerk
Steffen und Axel Jonas führen das Weingut Jonas in Eltville in vierter Generation, jeder mit seinem eigenen Handwerk und beide mit derselben Leidenschaft. Auf rund zehn Hektar im Rheingau entstehen klassische Rieslinge wie der „Prima Noctis“, mutige PIWIs wie der Souvignier Gris „Der Vielfältige“ und mit dem „Unvergesslichen“ ein Wein, der die Erinnerung an ihren Vater Willi in jede Flasche trägt. Ehrliche Weine mit Gesicht und Geschichte, genau das ist ihr Anspruch.
Wer diese Handschrift probieren möchte, findet die Weine ab Hof an Willis Weinstand, auf den Weinfesten der Region und im Online-Shop.
Weingut Jonas
Schwalbacher Straße 101
65343 Eltville am Rhein
Website: weingut-jonas.de
Rebfläche: rund 10 Hektar
Besonderheit: Familienweingut im Rheingau in 4. Generation, geführt von den Brüdern Steffen und Axel Jonas. Klassischer Riesling, früh gepflanzter Souvignier Gris.




