Weinprobe
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Weinprobe zu Hause: So organisierst du ein Tasting mit Freunden

Sechs Gläser auf weißem Leinen, sechs Flaschen in braunes Papier gehüllt und sechs Freunde, die sich gegenseitig überzeugen wollen, dass sie den teuersten Wein blind herausschmecken. So beginnt ein Abend, von dem noch Wochen später gesprochen wird. Eine Weinprobe zu Hause ist mehr als nur Weintrinken in netter Gesellschaft. Sie ist ein kleines Abenteuer für die Sinne, bei dem selbst erfahrene Weintrinker ins Staunen geraten.

Das Beste daran: Du brauchst weder eine Sommelier-Ausbildung noch einen Weinkeller voller edler Tropfen. Mit ein paar einfachen Vorbereitungen wird dein Wohnzimmer zum Verkostungsraum und aus einem gemütlichen Abend wird ein Erlebnis, das Freundschaft und Weingenuss auf besondere Weise verbindet.

Wie viele Gäste sind für eine Weinprobe ideal?

Eine Weinprobe lebt vom Austausch. Zu zweit wird es schnell eintönig, zu zwölft geht der Wein aus, bevor die letzte Flasche geöffnet ist. Die goldene Mitte liegt bei vier bis acht Personen. In dieser Größe kommt jeder zu Wort, jeder bekommt genug Wein ins Glas, und die Runde bleibt überschaubar genug, um sich wirklich auf die Weine einzulassen.

Eine bewährte Faustregel lautet: Lade nie mehr Gäste ein, als Weine auf dem Programm stehen. Bei sechs Weinen also maximal sechs Personen. So bleibt im schlimmsten Fall etwas übrig, das du in den folgenden Tagen noch genießen kannst. Und niemand sitzt auf dem Trockenen.

Wie viele Weine solltest du für eine Weinprobe auswählen?

Fünf bis sechs Weine sind der perfekte Rahmen für einen Abend. Weniger als vier bieten zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, mehr als acht überfordern selbst geübte Gaumen. Wissenschaftler haben in Weinen bisher über 1.000 verschiedene Aromastoffe nachgewiesen. Schon bei sechs verschiedenen Tropfen gibt es also mehr als genug zu entdecken.

Die Weinauswahl wird besonders spannend, wenn du dem Abend ein Motto gibst. Du könntest zum Beispiel sechs Rieslinge aus verschiedenen Anbaugebieten vergleichen, deutsche gegen französische Spätburgunder antreten lassen oder ausschließlich Weine unter zehn Euro verkosten. Auch ein Vergleich zwischen trocken, halbtrocken und lieblich sorgt für überraschende Erkenntnisse. Das Weinmagazin Wine Folly empfiehlt außerdem, denselben Wein aus verschiedenen Regionen oder von unterschiedlichen Erzeugern nebeneinander zu stellen.

Ein praktischer Tipp fürs Budget: Sprich vorher mit deinen Gästen ab, wie viel jeder zur Weinprobe beisteuern möchte. Mit 15 bis 20 Euro pro Person lassen sich bereits sehr gute Weine zusammenstellen. Alternativ bringt einfach jeder seinen Lieblingswein mit. Wer gezielt nach besonderen Tropfen sucht, wird oft direkt bei kleinen Weingütern fündig. In unserer Winzer-Übersicht findest du eine Auswahl handverlesener Erzeuger.

Weinprobe Vorbereitung

Weinprobe: Die richtige Reihenfolge beim Verkosten

Die Reihenfolge der Weine entscheidet darüber, ob jeder Tropfen fair zur Geltung kommt. Die Grundregel ist einfach: von leicht zu schwer, von weiß zu rot, von trocken zu süß. Ein kräftiger, tanninreicher Rotwein nach einem zarten Riesling ist kein Problem. Umgekehrt würde der Riesling nach dem Rotwein blass und dünn wirken.

ReihenfolgeWeintypTrinktemperatur
1Schaumwein, Sekt6–8 °C
2Leichter Weißwein (Riesling, Müller-Thurgau)8–10 °C
3Kräftiger Weißwein (Grauburgunder, Chardonnay)10–12 °C
4Roséwein10–12 °C
5Leichter Rotwein (Spätburgunder)14–16 °C
6Kräftiger Rotwein (Dornfelder, Lemberger)16–18 °C

Wenn du kräftige Rotweine mit dabei hast, lohnt es sich, diese vorher zu dekantieren. Eine halbe Stunde Luft kann bei einem jungen, tanninreichen Rotwein wahre Wunder wirken und verschlossene Aromen freisetzen. Auch die richtige Serviertemperatur spielt eine große Rolle: Ein zu warmer Rotwein schmeckt alkoholisch und schwer, ein zu kalter Weißwein zeigt kaum Aromen.

Welche Gläser brauchst du für eine Weinprobe wirklich?

Die gute Nachricht: Du brauchst keine Glassammlung für 500 Euro. Die wichtigste Eigenschaft eines Verkostungsglases ist seine Form. Ein tulpenförmiges Stielglas, das sich nach oben hin verjüngt, bündelt die Aromen und lenkt sie zur Nase. Dünnwandiges, farbloses Glas ohne Schliff ermöglicht zudem die beste Beurteilung der Weinfarbe. Das klassische Verkostungsglas folgt genau diesem Prinzip.

Bei einer Weinprobe hat im Idealfall jeder Gast für jeden Wein ein frisches Glas. Bei sechs Weinen und sechs Gästen wären das allerdings 36 Gläser. Realistischer ist es, jedem Gast ein Weißwein- und ein Rotweinglas bereitzustellen und die Gläser zwischen den Weinen kurz mit klarem Wasser auszuspülen. Wichtig dabei: Spüle die Gläser vorher gründlich mit Wasser nach, damit kein Spülmittelrückstand den Geschmack verfälscht.

Halte den Wein immer am Stiel, nicht am Kelch. So vermeidest du, dass sich der Wein durch die Handwärme erwärmt. Gerade bei Weißweinen kann schon ein Grad Unterschied die Aromenwahrnehmung spürbar verändern.

Der Raum: Licht, Luft und weiße Tischdecken

Der perfekte Verkostungsraum ist kein stimmungsvoller Weinkeller mit Kerzenschein, sondern ein heller, gut belüfteter Raum. Tageslicht ist ideal, weil es die Farbe des Weins am ehrlichsten zeigt. Studien belegen, dass verschiedene Lichtstimmungen die Geschmackswahrnehmung beeinflussen können: Bei rotem Licht wirkt ein Wein süßlicher, als er tatsächlich ist.

Bitte deine Gäste, auf starkes Parfum oder Aftershave zu verzichten. Duftkerzen, Raumdüfte und Blumen mit intensivem Aroma haben am Verkostungstisch nichts verloren. Der Wein soll die Hauptrolle spielen, und dafür braucht die Nase eine neutrale Umgebung.

Eine weiße Tischdecke oder weiße Tischsets sind nicht nur elegant, sondern auch funktional: Vor weißem Hintergrund lässt sich die Weinfarbe am besten beurteilen. Das gilt besonders, wenn du die Farbunterschiede zwischen verschiedenen Weißweinen oder Rotweinen vergleichen möchtest.

Tipp: Lüfte den Raum vor Beginn der Weinprobe mindestens 15 Minuten gründlich durch. Ein neutral riechender Raum ist die Grundlage dafür, dass du die feinen Geruchsnuancen der Weine auch wirklich wahrnehmen kannst. Und falls du keine weiße Tischdecke hast: Ein weißes Blatt Papier als Unterlage reicht völlig aus, um die Farbe im Glas zu beurteilen.

Weinprobe - Tisch gedeckt

Brot, Wasser und sonst nichts?

Bei einer professionellen Weinverkostung stehen tatsächlich nur Wasser und schlichte Cracker auf dem Tisch. Zu Hause darfst du es etwas großzügiger halten, aber während der eigentlichen Weinprobe gilt: weniger ist mehr.

Weißbrot ist der klassische Begleiter einer Weinprobe. Es neutralisiert den Geschmack zwischen den Weinen, ohne eigene Aromen aufzudrängen. Dunkles Sauerteigbrot oder stark gewürzte Snacks sind dagegen weniger geeignet, weil sie den Gaumen zu stark beeinflussen. Auch ein Apfelschnitz zwischen zwei Weinen wirkt als hervorragender Geschmacksneutralisierer.

Wasser ist unverzichtbar. Am besten stilles oder leicht kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Als Faustregel gilt: etwa 200 ml Wasser auf 100 ml Wein. Das hält den Gaumen frisch und sorgt dafür, dass der Alkohol die Urteilsfähigkeit nicht trübt.

Sorge außerdem dafür, dass deine Gäste nicht mit leerem Magen erscheinen. Ohne eine solide Grundlage trübt der Alkohol schnell das Urteilsvermögen. Eine leichte Mahlzeit vorher ist also durchaus empfehlenswert. Nach der eigentlichen Verkostung kannst du dann auffahren: Käse, Oliven, Salami, Nüsse. Jetzt wird aus dem Tasting ein genussvoller Abend, und du kannst die Lieblingsweine des Abends noch einmal zum Essen nachschenken.

Weinprobe: So verkostest du wie ein Profi

Die Verkostung folgt drei Schritten, die selbst erfahrene Sommeliers bei jeder Probe durchlaufen. Das Schöne daran: Jeder kann sie sofort anwenden, ganz ohne Vorwissen.

Sehen: Was verrät die Farbe?

Halte das Glas am Stiel, neige es leicht und betrachte den Wein vor einem weißen Hintergrund. Die Farbe verrät mehr, als man denkt. Ein Weißwein, der tiefgolden schimmert, ist oft älter oder im Holzfass gereift. Ein Rotwein mit violettem Rand ist dagegen typisch jung. Achte auch auf die sogenannten Kirchenfenster (auch Tränen oder Schlieren genannt): die Tropfen, die nach dem Schwenken am Glasrand herunterlaufen. Sie sagen nichts über die Qualität aus, deuten aber auf einen höheren Alkoholgehalt hin.

Riechen: Die Nase trinkt mit

Schwenke das Glas kurz und kräftig, dann halte es an die Nase. Der erste Atemzug fängt die dominanten Aromen ein. Fruchtig? Blumig? Würzig? Beim zweiten und dritten Riechen zeigen sich die subtileren Noten, die das Bouquet eines Weins ausmachen.

Die Aromenvielfalt im Wein ist beeindruckend: Etwa ein Gramm Aromastoffe steckt in einer ganzen Flasche Wein. Der Rest ist Wasser und Alkohol. Dieses eine Gramm besteht jedoch aus bis zu 1.000 verschiedenen Substanzen, die von fruchtigen Noten über florale Akzente bis hin zu erdigen und mineralischen Tönen reichen.

Schmecken: Der Moment der Wahrheit

Nimm einen kleinen Schluck, lass den Wein im Mund kreisen und achte darauf, was passiert. Spürst du eine frische Säure auf der Zungenspitze? Samtige Tannine, die den Mund zusammenziehen? Einen langen Abgang, der noch Sekunden nach dem Schluck nachhallt? All das sind Merkmale, die einen Wein einzigartig machen und die du mit etwas Übung immer deutlicher wahrnimmst.

Bei professionellen Verkostungen wird der Wein nach dem Probieren ausgespuckt. Bei einer Weinprobe zu Hause ist das natürlich jedem selbst überlassen. Wenn allerdings jemand aus der Runde noch fahren muss, stelle einen Spucknapf bereit. Jedes undurchsichtige Gefäß oder ein einfacher Becher reicht dafür völlig aus.

Weinprobe mit Blindverkostung: Wenn die Etiketten schweigen

Hier wird es richtig spannend. Bei einer Blindverkostung werden die Etiketten verdeckt, sodass niemand weiß, welchen Wein er im Glas hat. Das Ergebnis ist oft verblüffend: Der vermeintliche Billigwein wird zum Favoriten und der teure Tropfen landet auf dem letzten Platz. Selbst bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung in Deutschland gehört die Blindverkostung durch geschulte Prüfer zum Pflichtprogramm.

Die Vorbereitung ist denkbar einfach: Wickle die Flaschen in Alufolie, stecke sie in nummerierte Papiertüten oder ziehe Socken über den Flaschenkörper. Nur du als Gastgeber kennst die Zuordnung. Jede Flasche bekommt eine Nummer, die sich auch auf dem Bewertungsbogen wiederfindet. Erst wenn alle Weine verkostet und bewertet sind, lüftest du das Geheimnis.

Eine Blindverkostung schult die Sinne wie keine andere Methode. Ohne den Namen des Weinguts, ohne den Preis und ohne die Vorgeschichte bleibt nur das, was tatsächlich im Glas ist. Weinetiketten lesen zu können ist eine wertvolle Fähigkeit. Aber manchmal ist es noch aufschlussreicher, sie bewusst zu ignorieren.

Weinprobe mit Blindverkostung

Bewertungsbögen: Notizen, die den Abend lebendig halten

Ein Bewertungsbogen macht bei einer Weinprobe aus spontanen Eindrücken eine strukturierte Erinnerung. Du musst dafür kein Profi sein. Ein einfaches Blatt Papier mit den wichtigsten Kategorien reicht völlig aus:

  • Aussehen (Farbe, Klarheit, Kirchenfenster)
  • Aroma / Bouquet (Frucht, Blumen, Gewürze, Holz)
  • Geschmack (Süße, Säure, Tannine, Körper, Abgang)
  • Gesamteindruck (Bewertung auf einer Skala von 1 bis 10)

Du kannst die Bewertung als Punkteskala oder als freie Notizen gestalten. Besonders hilfreich ist das Aromarad für deutsche Weine, das unter anderem vom Staatsweingut Meersburg empfohlen wird. Es bietet über hundert Begriffe, die helfen, Geruchs- und Geschmackseindrücke in Worte zu fassen. So gewinnt jeder Gast ein Vokabular für das, was er im Glas wahrnimmt.

Am Ende des Abends beziehungsweise am Ende der Weinprobe werden die Bögen verglichen. Die Diskussion darüber, warum der eine den Wein bei 9 Punkten sieht und der andere nur bei 5, gehört zu den schönsten Momenten einer Weinprobe. Und wer seine Bögen aufhebt, hat beim nächsten Tasting gleich eine Referenz.

Fazit: Deine Weinprobe, dein Abend

Eine Weinprobe zu Hause braucht keine Perfektion. Sie braucht gute Freunde, ein paar interessante Flaschen und die Bereitschaft, sich auf die eigenen Sinne einzulassen. Mit den richtigen Vorbereitungen wird aus einem gewöhnlichen Abend ein Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleibt.

Ob du sechs Rieslinge blind verkostest, deutsche Rotweine gegeneinander antreten lässt oder einfach den Lieblingswein jedes Gastes auf den Prüfstand stellst: Am Ende zählt nicht, wer den besten Gaumen hat. Sondern dass alle gemeinsam etwas Neues entdeckt haben.

Trau dich, lade ein, öffne die Flaschen. Der beste Wein ist immer der, den man mit Freunden teilt.

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