Weingut

Finkenauer & Franz


Ein Erbe wird zur Berufung:
Yvonne Finkenauers Weg zum eigenen Weingut

Das Weingut Finkenauer & Franz GbR in Bubenheim vereint zwei Betriebe, zwei Geschichten und eine gemeinsame Liebe für authentischen Weinbau. Im Gespräch mit Yvonne Finkenauer erfahren wir, wie aus einem unerwarteten Schicksalsschlag eine neue Lebensaufgabe wurde und warum ihre Weine heute mit pinkfarbenen Etiketten und einem Parfümkarton daherkommen.

Weingut Finkenauer und Franz - Yvonne Finkenauer

Drei Weine, die man probiert haben muss

Das ist schwierig, weil es immer auf die Situation ankommt. Aber ich versuche es mal:

1. Rosé trocken (2024)

Für mich gibt es im Sommer nichts Schöneres als mit Freunden auf der Terrasse zu sitzen, vielleicht ein paar Früchte reinzumachen und diesen Rosé zu genießen. Durch seine leichte Säure ist er einfach ein guter Sommerbegleiter: erfrischend, unkompliziert und macht Lust auf mehr.

2. Sauvignon Blanc Bubenheim

Viele sagen über Sauvignon Blanc: viel zu laut, viel zu grün, viel zu dies und jenes. Aber unser Sauvignon Blanc ist deutlich eleganter, reduzierter vom Aroma her. Er hat eine schöne Mineralität und eine Säure, die gut eingebunden ist, lebendig, aber nicht satt machend.

Wenn du ihn für deine Pasta aufmachst oder mit Freunden zusammensitzt, ist es ein Wein, der dir einfach einen schönen Moment bereitet. Er hilft nicht – er ist dieser schöne Moment.

3. Chardonnay Meilenstein – Bubenheimer Honigberg

Die Meilenstein-Linie habe ich 2018 eingeführt. Das sind unsere Lagenweine, mit denen ich zeigen wollte: Finkenauer kann auch charakterstarke Weine machen. Der Chardonnay lag 12 Monate im Tonneau-Fass – teils neue, teils gebrauchte Fässer.

Das ist ein sehr gediegener Wein, der viel Charakter zeigt. Das Holz umarmt den Wein, es küsst ihn gewissermaßen. Nicht zu viel, nicht zu wenig, perfekt eingebunden. Er strahlt unglaublich viel Ruhe aus und passt hervorragend solo vorm Kamin, im Winter oder zu einem guten Essen. Das ist der Wein für die besonderen Momente im Leben.

Blick aus der Luft auf das Weingut Finkenauer & Franz
Blick aus der Luft auf das Weingut Finkenauer & Franz

Wie alles begann: Ein Erbe, das zur Berufung wurde

Das war nicht meine Juhu-Herzensentscheidung, muss ich ehrlich sagen. Mein Bruder ist 2008 tödlich verunglückt. Er sollte eigentlich das Weingut übernehmen. Und so war das dann mein Erbe – das Einzige, was ich noch von ihm hatte.

Für mich war klar: Das ist jetzt das, was mein Bruder mir hinterlassen hat. Das führe ich in seinem Sinne weiter. Natürlich war das am Anfang nicht unbedingt das, wo ich dachte „Juhu, das will ich!“, sondern es war das Gefühl, sein Vermächtnis nicht aufgeben zu können.

Das war es auch. Ich bin vier Wochen nach seinem Tod Mama geworden. Bin wieder nach Hause gezogen, aufs Weingut. War auf einmal wieder Tochter – diese greifbare Tochter, die eigentlich schon flügge war, die durch die Weltgeschichte geflogen ist und ihr eigenes Ding machen wollte. Plötzlich drehte sich mein Leben von heute auf morgen komplett.

Ich musste mit Hormonen zurechtkommen, meinen Bruder verabschieden, ohne ihn leben lernen, in die Mama-Rolle finden, ins Weingut finden, wieder jeden Tag greifbar sein für meinen Vater. Das war wirklich unbeschreiblich herausfordernd.

Es ist Teil meiner DNA, meiner Persönlichkeit. Vor zehn Jahren wäre es noch der absolute Horror gewesen, darüber zu sprechen: da hätte ich geweint. Heute stehe ich mit beiden Beinen fest im Leben und im Weingut. Das erschüttert mich nicht mehr. Es gehört dazu, auch wenn vielleicht hin und wieder nochmal eine Träne fließt.

Früher habe ich immer überlegt, was ich sage, um das Thema zu vermeiden. Das war so unehrlich und, sorry, einfach dumm. Heute sage ich: Lieber einmal geweint, aber ehrlich und authentisch. Das macht unser Weingut aus: Wir sind eben ehrlich, authentisch und gefühlvoll.

Yvonne Finkenauer - Weingut Finkenauer und Franz
Yvonne Finkenauer

Der Weg zur Expertise: Weingefühl statt klassischer Ausbildung

Als Familienbetrieb war ich natürlich immer irgendwie involviert. Aber eine richtige Ausbildung? Nein.

2018 war ein magisches Jahr für mich: Ich war 10 Jahre ohne meinen Bruder, 10 Jahre im Betrieb, 10 Jahre Mama und wurde 40. Im Februar habe ich mich vom Vater meiner Kinder getrennt, nach 10 Jahren Beziehung. Ich habe gemerkt: Ich bin im Weingut angekommen, ich will etwas auf die Beine stellen, ich will leben. Und das war mit meinem damaligen Mann einfach nicht möglich.

Kurz darauf stand ich bei einem befreundeten Winzer im Keller, emotional total erschöpft nach all diesen Umbrüchen und der Betriebsübernahme. Ich dachte: Ich muss noch mal eine Ausbildung machen, ich pack das alleine nicht.

Da sagte ein guter Freund zu mir: „Yvonne, kann dein Vater den Betrieb ohne dich schmeißen?“ Ich dachte, klar. Aber er meinte: „Nein, kann er nicht. Er kann viele Büroarbeiten nicht, dies nicht, jenes nicht. Warum solltest du es also alleine können?“

Das hat mir viel Druck genommen. Und dann sagte er noch etwas Wichtiges: „Dein großer Vorteil gegenüber gelernten Winzerkollegen ist, dass du Weingefühl hast. Du weißt genau, wie deine Weine sein sollen, die Gutsweine, die Ortsweine, die Lagen. Du kannst das so cool erklären und den Leuten Bilder im Kopf pflanzen. Das Einzige, was du brauchst, ist jemanden, der dir im Keller hilft.“

Das wäre ja viel zu einfach für uns! (lacht)

Meine beste Freundin hat mich schon früh an die Hand genommen: gemeinsame Seminare, Fortbildungen. Und 2019 habe ich dann meinen Mann kennengelernt, auch ein Winzerkollege. 2022 haben wir beide Betriebe zusammengelegt. Er hatte Weingut Franz in Appenheim, ich hatte Finkenauer. Jetzt ist alles in Bubenheim.

Zwei Weingüter - eine Philosophie

Zwei Weingüter, eine Philosophie

Nach außen hin ist es für unsere Kunden jeweils das Weingut des anderen, also Finkenauer bleibt Finkenauer, Franz bleibt Franz. Aber für uns ist es kein Problem, ob wir gerade einen Finkenauer-Wein oder einen Franz-Wein im Keller verarbeiten. Für uns ist beides genauso wichtig wie unsere eigenen Trauben.

Wir brennen genauso für des anderen Weine wie für unsere eigenen. Manchmal ist man sogar strenger mit dem Partner als mit sich selbst. Das ist unterhaltsam, wenn man uns von außen zuguckt.

40 Hektar. Finkenauer hatte vorher 17 Hektar, mein Mann etwa sieben. In den letzten drei Jahren haben wir viel dazu gepachtet und sind gewachsen.

Bio aus Überzeugung

Der Jahrgang 2024 ist unser erster biozertifizierter Jahrgang. Der Großteil unserer Weine, gerade die Orts- und Lagenweine, sind alle biozertifiziert. Bei manchen Flächen, die noch dazukommen, dauert es eben wieder drei Jahre, bis sie zertifiziert sind.

Ja. Ich finde, man muss etwas tun für den Klimawandel und die Nachhaltigkeit. Und die Weine verändern sich dadurch zum Positiven: Sie werden klarer, präziser. Es geht nicht nur um ein Siegel, sondern um echte Qualität.

Yvonne Finkenauer setzt aus Überzeugung auf Bio

Klimawandel und die Zukunft: PIWI-Sorten als Option

Das ist ein komplexes Thema. Die Weinbranche muss sich mit vielen Herausforderungen auseinandersetzen, nicht nur mit dem Klimawandel, sondern auch mit dem Absatzmarkt und der Außendarstellung von Wein beim Verbraucher.

Wir haben gerade eine Flurbereinigung in Bubenheim und werden vielleicht die eine oder andere Piwi-Sorte anlegen. Aber komplett auf Piwi gehen? Das wird es bei uns nicht geben. Die Standardrebsorten sind für unseren Betrieb nach wie vor unverzichtbar.

Ich habe oft Piwi-Weine probiert und lasse mich auch immer wieder darauf ein. Im Cuvée oder für einen Rosé kann das gut funktionieren. Aber als Solowein ist es für mich persönlich nicht das, wo ich sage: Wow, das muss ich unbedingt trinken.

Mehr als nur Weinverkauf: Gastgeberin mit Leidenschaft

Bei uns liegt der Fokus anders als bei vielen anderen Weingütern. 30 Prozent unserer Weine gehen an Privatkunden, der Rest an Gastronomie und Handel. Wir sind stark im Rheinland vertreten.

Wenn jemand eine Weinprobe bei uns machen möchte, machen wir das natürlich super gerne. Und einmal im Jahr veranstalten wir unser „Sommersoul“ im Weinberg. Das ist ein kleines, aber feines Event mit Eintritt, weil wir etwas Besonderes für unsere Kunden wollen.

Wenn die Gäste gegen 24 Uhr nach Hause gehen, total glücklich und beseelt, weil sie tanzen konnten, leckere Weine getrunken haben, gut gegessen haben und eine super Atmosphäre hatten – dann ist das genau der Grund, warum ich das mache. Wenn ich während der Veranstaltung sehe, wie neue Kontakte entstehen, freut mich das sehr. Denn Wein schafft Verbindungen!

Ich bin gerne Gastgeberin. Wenn ich weiß, die kommen nächstes Jahr wieder und bringen vielleicht noch Freunde mit, ist das für mich das Schönste. Deshalb machen wir auch nur dieses eine Event im Jahr. Lohnt es sich noch, wenn man es mehrmals macht? Wir lassen es lieber bei einem Event im Jahr, schließlich soll die Veranstaltung etwas Besonderes sein und bleiben.

Sommersoul im Weinberg - Weingut Finkenauer
Sommersoul im Weinberg – Weingut Finkenauer

Die Geschichte hinter dem pinken Etikett

Das war ein langer Prozess! Als wir 2022 die Betriebe zusammenlegten, haben wir mit einer neuen Agentur zusammengearbeitet. Die haben nach der Analyse gesagt: Das Design muss komplett geändert werden, es ist nicht mehr zeitgemäß.

Das hat mich geschockt. Ich fand unser altes Design doch schön! Ich dachte, wir machen einfach ein bisschen Pink dazu und fertig. Aber dann kamen die ersten Vorschläge und ich fand keinen gut. Ich habe mich darin einfach nicht gesehen und habe das Ganze erstmal in die Schublade gelegt.

Im Herbst kam ein neuer Vorschlag. Mein erster Gedanke: Jetzt wollen die mich veräppeln – alles pink! Ein befreundeter Sommelier hatte mir vorher gesagt: „Männer kaufen kein pink.“ Und die Männer kaufen die teuren Weine.

Ich hatte wirklich Bauchschmerzen. Mein Mann hat mich unterstützt. Er sagte: „Das ist genau dein Ding. Das bist du. Deine Elemente sind drin, nur anders angeordnet. Das Papier schimmert, ist glitzerig, das ist so hochwertig.“

Bei einem Telefonat mit der Agentur sollte ich mich dann entscheiden, dabei hatte ich null Ideen. Dann sagte der Designer: „Das Tollste ist eigentlich der Karton. Er sieht aus wie ein Parfümkarton.“

Da dachte ich: Alles klar, nimm den Parfümkarton! Parfüm ist immer toll für Männer und Frauen. Und so habe ich das pinke Etikett samt Karton genommen.

Überhaupt nicht! Wir waren neulich in einem Restaurant in Hamburg und mein Mann sagte: „Ey, guck mal, das ist doch deine Flasche!“ Durch diese verschiedenen Beerentöne fällt sie wirklich auf. Da dachte ich: Ja, ist doch ganz gut, dass wir das so gemacht haben.

Weingut Finkenauer - Logo
Rosé - Weingut Finkenauer

Rosé trocken

Begeistert mit seiner zarten, feinen Struktur und einem verführerischen Aroma von frischen Himbeeren.

Sauvignon Blanc Bubenheim - Weingut Finkenauer

Sauvignon blanc Bubenheim

Hat fruchtige Noten von Stachelbeere und eine subtile Heuaromatik. Finessenreich und elegant, entfaltet er eine spannende Mineralität.

Chardonnay Meilenstein - Weingut Finkenauer

Chardonnay „Meilenstein“

Lagenwein aus der Lage Bubenheimer Honigberg. Aromen von reifer Melone und Birnen. Dank der Gärung im Tonneau hat er eine faszinierende Röstaromatik.

Weitere Weingüter

Authentizität als Erfolgsgeheimnis

Yvonne Finkenauer hat aus einem unerwarteten Erbe etwas Eigenes geschaffen. Ihr Weg zeigt, dass es im Weinbau nicht nur um Ausbildung und Technik geht, sondern vor allem um Leidenschaft, Vision und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen. Mit ihrem Mann Christian Franz führt sie heute ein Weingut, das Tradition mit mutigem Design verbindet und dabei immer authentisch bleibt.

Das Weingut Finkenauer & Franz steht für charakterstarke Weine aus Rheinhessen, produziert mit biologischem Anspruch und einer Geschichte, die unter die Haut geht.

Weingut Finkenauer & Franz GbR
Außerhalb 7
55270 Bubenheim

Website: https://www.finkenauer.de
Rebfläche: 40 Hektar
Besonderheit: Biozertifiziert seit Jahrgang 2024, zwei Weingüter unter einem Dach, auffälliges Etikettendesign, jährliches „Sommersoul“-Event im Weinberg.